Mercedes S-Klasse: Flaggschiff als Klassen-Kämpfer

Hoher Einsatz im Premium-Segment: Die neue S-Klasse tritt mit einem ganzen Hightech-Arsenal gegen die Konkurrenz an.

Die S-Klasse trägt die neueste Interpretation des aktuellen Marken-Gesichts und macht sich für mindestens 5,18 Meter Gardemaß auffallend schlank.
© Hersteller

Von Stefan Pabeschitz

Stuttgart – Als hätte sich Mercedes an das literarische Zitat gehalten: „Wenn alles bleiben soll, wie es ist, dann muss sich alles ändern.“ Also wurde an der bisherigen S-Klasse nicht weiter herumgedoktert, sondern ein grundlegend neues Auto konstruiert – das die Eigenschaften des Vorgängers weiterführt, dazu innovative Technologien anwendet und außerdem fit ist für künftige Anforderungen. Etwa den frühestens Mitte kommenden Jahres erwarteten Plug-in-Hybriden mit 100 Kilometern rein elektrisch zurücklegbarer Reichweite. Auch als Basis für den batteriegetriebenen EQS wird die S-Klasse-Plattform herhalten.

Schau mir in die Augen, Großes! Die Digital-Scheinwerfer könnten einen ganzen Film abspielen, beschränken sich aber auf Warnsymbole.
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Dem auf 5,18 Meter – in der Langversion sogar 5,29 Meter – gewachsenen Premium-Flaggschiff gelingt mit einigen schlauen Design-Kniffen der äußerliche Schlankheits-Trick. Die nach dem Vorbild von aktueller A- und E-Klasse gestaltete Front gibt sich betont dezent, die ganze Linie sportlich-elegant, bereits an die des CLS erinnernd. Drinnen ist ebenfalls ein weniger auffälliges Layout eingezogen, das die Digital-Offensive von Mercedes deutlich schlichter einkleidet als bisher. Unter den Opfern: Die Luftdüsen im Jet-Design und das Widescreen-Cockpit. Erstere sind jetzt als dezente Rechtecke geformt, Zweiteres einem Ins­trumenten-Cluster mit optionaler 3D-Optik gewichen, ergänzt von einem zentralen Display in Hochkant-Format. Der Nachteil: Die bisherige Informationsaufnahme auf einer Ebene ist dahin – allerdings weniger wichtig, wenn das Head-up-Display mit Augmented Reality in der Aufpreisliste angekreuzt wurde: Die Einblendung der Fahrtrichtungshinweise in das von der Frontkamera gelieferte Bild entfällt dann zugunsten einer Darstellung in der tatsächlichen Realität der Frontscheibe, inklusive Anpassung an die Fahrzeugbewegung und -geschwindigkeit. Sich damit noch zu verfahren, ist genau genommen nur noch mit Absicht möglich.

Ruhigeres Design im Cockpit, aber auch etwas überbordende Geschäftigkeit mit den vielen Anzeigen und Einstell-Optionen, mit denen der Fahrer konfrontiert wird.
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Das letzte Motoren-Update fiel noch in die Lebenszeit der Vorgänger-Generation – die zum Marktstart im Dezember angebotenen Aggregate sind somit bereits bekannt und erprobt: Zur Wahl stehen S 350 d mit 286 PS, S 400 d mit 330 PS und S 500 mit 436 PS – alle mit 4WD ausgestattet, nur der schwächere Selbstzünder auch mit Hinterradantrieb. Ebenfalls weitgehend unverändert blieb die 9-Gang-Automatik mit ihrer gelungenen Spreizung zwischen Komfort- und Sport-Betrieb. Neu an Bord ist ein Update der Allrad-Lenkung, mit der die Hinterräder nunmehr bis zu zehn Grad einschlagen. Beim Einparken, in engen Innenstädten und Kreisverkehren nicht nur ein echter Hingucker: Die mächtige S-Klasse lenkt damit ein wie ein Kleinwagen – es verlangt ein wenig Zeit, sich daran zu gewöhnen. In Sachen Souveränität von Handlings, Fahrkomfort und Geräuschdämmung hat der neue Ober-Benz zweifellos ebenfalls Fortschritte gemacht – messbar sind sie aber auf diesem Level nur noch subjektiv.

Einige der Top-Features werden künftig zweifellos auch in die unteren Etagen der Mercedes-Hierarchie durchgereicht werden: Etwa die Digital-Scheinwerfer, die Warnhinweise auf die Straße projizieren können, der Frontairbag für die hinten sitzenden Passagiere oder die Infotainment-Highlights, die dereinst den Serienumfang bereichern dürften – bis dahin müssen alle diese Features allerdings noch als teure Extras dazugekauft werden – trotz des stolzen Basispreises von 112.420 Euro für den S 350 d, bis zu 141.690 Euro für den S 500 4Matic in der Langversion. Eine Option wird aber erst verfügbar sein, wenn auch der heimische Gesetzgeber fit dafür ist: Das vollautonome Fahren bis 60 km/h ist ab kommendem Jahr vorerst nur in Deutschland freigeschaltet.


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