Ausstellung: Kraut und Rüben als altes Tiroler Kulturgut

Die Zeiten, in denen Vitamine im Winter Mangelware waren, sind noch nicht gar so lange vorbei. Wie die Tiroler sich damals beholfen haben, das beleuchtet eine Ausstellung.

Eine Aufnahme aus Assling, 2010: Die Rüben werden händisch „geputzt“, bevor sie weiterverarbeitet werden.
© Bildarchiv Dr. Brigitte Vogl-Luk

Dorf Tirol, Lienz, Innsbruck – Die Zeiten, in denen Vitamine im Winter Mangelware waren, sind noch nicht gar so lange vorbei. Wie die Tiroler sich damals beholfen haben, das beleuchtet eine Ausstellung mit dazugehörigem Katalog in der Brunnenburg in Dorf Tirol. „Alles, was man essen konnte, das hat man auch gegessen“, fasst es Andreas Rauchegger, Co-Kurator der Ausstellung, zusammen.

Im konkreten Fall waren das sehr oft Kraut und Rüben, und so lautet auch der Titel der Ausstellung. Für die Zusammenstellung konnten Rauchegger und Burgbesitzer Siegfried de Rachewiltz Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Nord-, Ost- und Südtirol sowie aus Vorarlberg gewinnen. „Es ist ein Gesamttiroler Projekt, verweist aber auch in den Nachbarregionen“, erklärt der Historiker aus Abfaltersbach.

Das Um und Auf rund um Kraut und Rüben war die Haltbarmachung. Ein Abschnitt der Ausstellung widmet sich der Fermentierung und den verschiedensten Geräten, die zur Herstellung von Sauer- oder Rübenkraut verwendet wurden. „Tirol in Gärung“ nennt Andreas Rauch­egger das dazugehörige Kapitel im Katalog. Dass dieses Gemüse auch zum Trinken geeignet war, beschreibt ein Kapitel über den „Krautinger“, den weitum bekannten Krautschnaps aus der Wildschön­au. Und ein Beitrag aus dem Ötztal widmet sich der früher weit verbreiteten „Tusche“, einer Kohlrübenart.

Genbank für das Kohl- und Rübensortiment

Aber auch Lieder, Gedichte und Reime drehen sich um das nahrhafte Wintergemüse, ebenso, wie die Pflanzen ihren Niederschlag in so manchem Gemälde und in der Heilkunde gefunden haben. „Das Land Tirol hat sogar ein­e eigene Genbank für das Kohl- und Rübensortiment“, berichtet Rauchegger.

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Wer glaubt, dass diese Gemüse heute keine Bedeutung mehr haben, der irrt. „Die Kulinarik und die Blogger-Szene haben Kraut und Rüben wiederentdeckt“, meint der Historiker. So stehen in Feinschmecker-Lokalen heut­e wieder Gerichte wie „Rübenkraut-Kochschinken“ auf der Speisekarte. (co)


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