Zehntausende bei Anti-Frankreich-Protest in Bangladesch

Zehntausende Menschen sind in Bangladesch aus Protest gegen die Äußerungen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zum Islam auf die Straße gegangen. Über 40.000 Menschen nahmen laut Polizei an dem von einer islamistischen Partei organisierten Protest in der Hauptstadt Dhaka am Dienstag teil. Die Demonstrierenden riefen zum Boykott französischer Waren auf und verbrannten ein Bild Macrons. Die Polizei stoppte den Protest, bevor er in die Nähe der französischen Botschaft kam.

Indes erhöhen auch der Iran und Saudi-Arabien den Druck auf Frankreich. Das Außenministerium in Teheran habe den französischen Botschafter einbestellt, berichtete der staatliche Sender IRIB am Dienstag. Auch Saudi-Arabien verurteilte Karikaturen, die Mohammed beleidigten, und jeden Versuch, den Islam in einen Zusammenhang mit Terrorismus zu stellen.

Indes rief Frankreich seine im muslimischen Ausland lebenden Bürger und Bürgerinnen zu größerer Vorsicht auf. Das französische Außenministerium gab am Dienstag auf seiner Internetseite neue Sicherheitshinweise für Indonesien, Bangladesch, Mauretanien, den Irak und die Türkei bekannt.

Die Franzosen sollten sich von Protesten gegen die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen fernhalten und öffentliche Versammlungen meiden. „Es wird empfohlen, besonders auf Reisen und an Orten, die von Touristen oder Auswanderergemeinschaften besucht werden, äußerste Wachsamkeit zu üben“, hieß es.

Der Lehrer Samuel Paty war Mitte Oktober in einem Vorort von Paris von dem mutmaßlichen Islamisten angegriffen und enthauptet worden. Der tatverdächtige 18-Jährige mit tschetschenischen Wurzeln wurde von der Polizei erschossen. Den Ermittlungen zufolge wurde Paty getötet, weil er in einer Unterrichtsstunde zum Recht auf Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen verwendet hatte.

Macron hatte nach dem Mord angekündigt, die Maßnahmen gegen den konservativen Islam zu verstärken, der die Werte Frankreichs zu untergraben drohe. Diese Aussagen kritisierte unter anderem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan scharf und forderte einem Boykott französischer Produkte. Die EU verurteilte diesen Boykottaufruf scharf. Ein solcher Aufruf stehe im Widerspruch zum Geist von Verpflichtungen, die die Türkei eingegangen sei, und werde die Türkei noch weiter von der EU entfernen, sagte ein Sprecher der für die EU-Handelspolitik zuständigen EU-Kommission am Dienstag in Brüssel. Vereinbarungen zwischen der EU und der Türkei sähen einen freien Warenverkehr vor.


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