Weihnachten im Oktober: Tour aufs Weihnachtsegg oberhalb von Jenbach

In wenigen Wochen ist Weihnachten, am Wochenende ging es daher auf das Weihnachtsegg oberhalb von Jenbach. Eine Bergtour, die Trittsicherheit erfordert.

Am Brandköpfl bewundert man von einem beleuchteten Gipfelkreuz aus die tollen Tiefblicke ins Tal.
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Von Irene Rapp

Jenbach –Wahrscheinlich hat der eine oder andere schon nachgedacht, womit er seine Lieben zum heurigen Weihnachtsfest beschenken wird. Möglicherweise auch, wie im Corona-Jahr 2020 Weihnachten überhaupt gefeiert werden kann. Interessanterweise gibt es im Karwendel eine Erhebung, die sich Weihnachtsegg nennt (1740 m). Dabei handelt es sich um einen Punkt im Kamm, der sich vom Stanser Joch ostwärts nach Jenbach zieht. Dort steht ein kleines Gedenkkreuz und angesichts der tollen Ausblicke denkt man ausnahmsweise einmal nicht an Corona.

Für die 1100-Höhenmeter-Tour ist jedoch Trittsicherheit erforderlich (rutschiges Laub, einmal eine seilversicherte Stelle usw. sowie nach den letzten Schneefällen sicher noch Schnee). Und vor allem in der ersten Hälfte geht es ganz schön steil hinauf. Ansonsten bietet diese Tour aber schöne Ausblicke, tolle Natur sowie besinnliche Einsamkeit – ist also empfehlenswert.

Beim so genannten Zeiselegg gibt es ein kleines Gedenkkreuz.
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So kommt man hin: Nach Jenbach entweder mit Öffis oder Auto (Abstellmöglichkeiten gibt es z. B. neben der evangelischen Kirche im Ort). Zunächst zum Rodelhüttenweg (Abzweigung von der Achenseestraße Richtung Achensee) und ein wenig weiter aufwärts links in den Waldweg einbiegen (linkerhand ist ein Brunnen).

Auf einer kleinen Straße geht es zunächst an einigen Häusern vorbei, wenn die Straße zum Forstweg wird, sind es nur noch wenige Meter bis zu einer Abzweigung, die links hinauf in den Wald führt (Wegweiser Stanserjoch/Jöchlalm/Brandköpfl).

Gleich zu Beginn geht es ziemlich steil den Mischwald hinauf, viel Laub liegt am Boden und das könnte vor allem bei nassem Wetter eine Rutschgefahr darstellen.

📽️ Video | Tour auf das Weihnachtsegg

Noch hört man den Lärm der Inntalautobahn, doch das bessert sich, je weiter man nach oben kommt, bis man dann gar keinen Verkehrslärm mehr hört. Wegmarkierungen finden sich überall – auf Bäumen, aber auch auf Steinen. Im oberen Teil muss man allerdings manchmal genau schauen, um den Steig zu finden. Bei einer großen Wildfutterstelle – „Huber-Leiten“ – geht es rechts vorbei weiter. Beim Zeiselegg (1005 m) mit einem Gedenkkreuz in Erinnerung an den hier 1944 verstorbenen jungen Otto Fleck sieht man dann erstmals schön auf den Rofan, am vergangenen Sonntag präsentierte sich das Platzerl wildromantisch.

Nächstes Highlight ist das Brandköpfl (1285 m). Auch dort steht ein Kreuz, welches 1982 errichtet worden ist. 2016 musste es dann erneuert werden und seitdem kann es mit einer Besonderheit aufwarten – „mit wasserdichten LED-Spots“, wie Initiator Michael Kurz erzählt.

Eine längere Pause sollte man auch bei der Jöchlalm einlegen – das herbstliche Ambiente ist einfach wunderschön.
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Jeweils am Samstag und Sonntagabend wird per Zeitschaltuhr das Licht eingeschaltet – in Anlehnung an die Tradition, dass einst das alte Kreuz immer beleuchtet worden ist, allerdings nur zu Weihnachten. „Die Leute schätzen das sehr. Als einmal keine Lichter brannten, haben einige bei der Gemeinde angerufen“, freut sich der Jenbacher. Beeindruckend ist an dieser Stelle aber auch der Blick hinab auf Jenbach und das Inntal.

Weiter geht es nun Richtung Weihnachtsegg (Wegweiser) und langsam bewegt man sich auf die nördliche Seite des Kamms zu. Sprich: Es ist deutlich weniger Verkehrslärm zu hören, die Wanderung im herbstlich geprägten schönen Mischwald ein Traum. Bei einer Wegteilung (aufwärts geht es zum Weihnachtsegg, abwärts zur Rodelhütte) halten wir uns links und gehen weiter bergauf.

Was hier auffällt, sind die vielen großen Ameisenhaufen: bei einigen waren noch zahlreiche Insekten zu sehen, bei anderen nicht. Wenn es heller wird, befindet man sich nach wenigen Metern auf einer großen ebenen Lichtung, auf der die unbewirtschaftete Jöchlalm (1531 m) steht. Auf der Veranda lässt es sich gut rasten, die Blicke schweifen über gelbe Lärchen und den Rofan im Norden.

Vom Weihnachtsegg aus sieht man zum Gipfelkreuz des Stanser Jochs.
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Hinter der Alm führt dann der Steig wieder weiter. Zunächst durch Wald, dann Latschengelände erreicht man dann das Weihnachtsegg. Wie es zu dem Namen gekommen ist, konnte vor Jahren nicht einmal bei der Erhebung alter Flurnamen in Jenbach herausgefunden werden. Übrigens soll es auch einen Weihnachtskopf auf Gemeindegebiet geben. Hier lässt es sich jedenfalls gut aushalten, vor allem mit Blick auf das Inntal. In Richtung Westen kann man auch schon das Stanserjoch (2102m) mit seinen weithin sichtbaren Lawinenverbauungen sehen.

Rein theoretisch könnte man vom Weihnachtsegg noch weiterwandern zum Stanser Joch – „da geht man noch einmal rund 45 Minuten“, erzählt Kurz. Übrigens wird mit „Stanser Joch“ nicht nur die höchste Erhebung, sondern der ganze flache Rücken bezeichnet.

Wir sind vom Weihnachtsegg allerdings wieder auf demselben Weg retour. Wer will, kann bei der Abzweigung zur Rodelhütte hinab (Wegweiser) noch eine kleine Variante ausprobieren. Diese erfordert aber ebenfalls Trittsicherheit, da der Steig sehr schmal und steil ist.

Also: Rucksack schnüren und eine gute Jause mitnehmen – denn Plätze, wo man wunderbar rasten kann, finden sich bei dieser Runde genug.

© TT

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