Treibhaus-Chef Pleifer: „Das Verschenken lass’ ich mir nicht verbieten“

Die Winterspiele im Treibhaus gehen ohne Gastronomie über die Bühne. Norbert Pleifer beklagt die mangelnde Gesprächsbereitschaft des Landes.

„Im Gesundheitsministerium wurden wir ernst genommen. In Tirol vor vollendete Tatsachen gestellt.“ – Norbert Pleifer (Treibhaus-Chef)
© Rudy de Moor / TT

Innsbruck – Für den Umstand, dass die jüngste Corona-Verordnung der Bundesregierung später als zunächst angekündigt in Kraft trat, sind einige heimische Kulturschaffende mitverantwortlich. Auch Treibhaus-Chef Norbert Pleifer hat in der vergangenen Woche viel telefoniert – und Überzeugungsarbeit geleistet. Es ging um das angedachte Verköstigungsverbot bei Veranstaltungen. Tatsächlich wurde die Verordnung in diesem Punkt adaptiert.

Doch Pleifers Freude darüber währte nur kurz. In Tirol gilt die Landesverordnung – und die ist strenger: „Während Konzerten herrscht Ausschank- und Verköstigungsverbot“, sagt Pleifer. Daran sei man im Treibhaus noch am Sonntag durch eine „Botin aus dem Landhaus“ erinnert worden. „Es geht mir nicht darum, dass das Land so entschieden hat, sondern darum, dass es weder davor noch seither Gesprächsbereitschaft gibt“, so der Treibhaus-Chef. „Im Gesundheitsministerium wurden unsere Argumente gehört und ernst genommen. In Tirol werden wir vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Das Land verweist auf Anfrage auf die steigenden Corona-Fallzahlen in Tirol. Die wolle er ja nicht wegdiskutieren, sagt Pleifer. Er sei aber verwundert, dass die, die mit den verordneten Einschränkungen arbeiten müssen, nie nach ihren Erfahrungen gefragt werden – „und dass von den Entscheidern nie jemand vorbeikommt und fragt, wie es uns geht“.

Im Treibhaus finden derzeit Innsbrucks 3. Winterspiele statt. Bis Ende Februar sind täglich Konzerte oder Kabarett im Treibhausgarten geplant. Der Eintritt ist frei, das Sicherheitskonzept bewährt. Nun falle mit der gastronomischen „Weiberwirtschaft“ der „größte Subventionsgeber“ des Programms weg, so Pleifer. Die Situation sei absurd: „Die Bar füttert die Künstler. Jetzt sind es die Künstler, die die Weiberwirtschaft töten.“ Alle Mitarbeiterinnen der Bar sind in Kurzarbeit, die Treibhausküche bleibt vorerst kalt.

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Statt des „Jazzfrühstücks“ müsse er jetzt entscheiden: „Jazz oder Frühstück?“, sagt Pleifer. Selbst von Politikern sei ihm schon geraten worden „zu tricksen“. Er könne ja die Musik zur Hintergrundmusik erklären. Für Pleifer ist das keine Alternative: „Das Treibhaus ist kein Kaufhaus. Wir veranstalten Konzerte, kein Gedudel.“ „Wenn ich schon wählen muss, ob wir Kultur- oder Wirtshaus sind, dann: Kultur.“ Ausschank gibt es also bis auf Weiteres keinen. Das Verschenken will sich Norbert Pleifer aber nicht verbieten lassen. Wasser und Brot gibt es gratis. Am Eingang steht eine Kiste Äpfel. Zur freien Entnahme. Und darunter steht ein Opferstock. Für freiwillige Spenden. (jole)


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