Schwazer Primar hält „angepassten Lockdown“ bald für nötig

Die Zahl der Covid-Patienten in Tirols Spitälern steigt kontinuierlich an. Besonders angespannt ist die Lage im Schwazer Bezirkskrankenhaus.

Gestern Vormittag waren im Land 159 Covid-Patienten in einem Krankenhaus in Behandlung, davon 19 auf einer Intensivstation. (Archivfoto)
© Tirol Kliniken

Innsbruck – Drei von sechs Intensivbetten sind im Schwazer Bezirkskrankenhaus seit gestern mit Covid-19-Patienten belegt. „Die Lage bei uns ist ernst“, sagt Geschäftsführer Andreas Hoppichler. Von 30 Betten auf der Normalstation sind noch fünf frei.

Überwiegend handele es sich um ältere Patienten, erklärt Primar Hannes Gänzer von der Corona-Krisenstableitung des BKH. Bei ihnen sei oft eine längere Spitals-Aufenthaltsdauer als die durchschnittlichen fünf bis sieben Tage nötig. Schwere Grippewellen hätten ähnliche Auswirkungen auf den Krankenhausbetrieb, allerdings nicht in einem so rasanten Ausmaß. Dass die intensivmedizinische Betreuung bei älteren Corona-Patienten drei Wochen dauern kann, stellt das Spital jetzt vor Herausforderungen – wegen der räumlichen Trennung und weil es immer schwieriger werde, das geplante OP-Programm aufrechtzuerhalten.

„Wir brauchen mehr Intensivbetten. Aber sie sind noch belegt von Patienten, die planmäßig operiert wurden.“ – Hannes Gänzer (Primar BKH Schwaz)
© Dähling

„Wir brauchen in Tirol mehr freie Intensivbetten. Aber sie sind noch belegt durch planmäßige OPs“, erklärt der Schwazer Internist. Gänzer hält einen „angepassten Lockdown“ für nötig, wenn die derzeitige Entwicklung anhält. Das hieße, dass nicht so dringende OPs verschoben werden. Die Bettenkapazität in den Spitälern sei nur deshalb bald erschöpft, weil man zu wenig Ressourcen für Covid-19-Erkrankte geschaffen habe und am geplanten OP-Programm festhalte. Deshalb habe der dritte Covid-Intensivpatient in Schwaz nicht wie angekündigt nach Innsbruck verlegt werden können.

In Tirol waren gestern Vormittag 159 Menschen in Spitalsbehandlung, davon werden 19 Menschen auf einer Intensivstation betreut, am Dienstag waren es 152 Hospitalisierte und 18 Intensivpatienten. Die meisten davon (52 auf Normal-, elf auf Intensivstationen) sind in Innsbruck untergebracht.

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Im Kufsteiner Bezirkskrankenhaus wurden gestern Mittag 21 Covid-Patienten auf der abgesonderten Corona-Station versorgt. Hinzu kommt ein Corona-Patient auf der Intensivstation. Für den ärztlichen Direktor Carl Miller ist die Lage ernst. „Leider haben viele von uns das alles schon einmal durchgemacht.“ Im Krankenhaus Zams wurden zu Beginn der Pandemie besonders viele Covid-Patienten versorgt. „Momentan behandeln wir 16“, sagt Geschäftsführer Bernhard Guggenbichler.

Die Kapazitätsgrenze sei aber noch lange nicht erreicht. „Im Frühjahr hatten wir 62 positive Fälle.“ Gut schaut es derzeit auf der Intensivstation des Bezirkskrankenhauses St. Johann aus. „Derzeit befindet sich dort kein Covid-Patient. Das kann sich aber rasch ändern“, betont der ärztliche Leiter Norbert Kaiser. Sieben Betten sind mit Corona-Erkrankten belegt. Kaiser: „Wir haben noch genug Kapazitäten.“ Ähnlich die Lage im Bezirkskrankenhaus Lienz. „Zurzeit ist keiner unserer Covid-Patienten intensivpflichtig“, sagt der ärztliche Leiter Martin Schmidt. In Osttirol sind fünf Menschen auf der Normalstation untergebracht. (ad, jazz, mr, co, mm)


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