Wirtschaftskammer Tirol: Nein zu Lockdown, Ja zu Ausgangssperre

Wirtschaftskammer für Kontrollen im Privatbereich, starker Zulauf für Petition gegen Reisewarnungen.

Lauter Alarm-Ruf der Wirtschaft (v. l.): Franz Hörl, Christoph Walser und Mario Gerber.
© WKT

Von Alois Vahrner

Innsbruck – In der Tiroler Wirtschaft herrscht Alarmstufe Rot: Zum einen drohen wegen der internationalen Reisewarnungen massive Einbrüche im Wintertourismus, die Saison könne wohl frühestens zu Weihnachten starten. Zum anderen steuert wie viele andere Länder auch Österreich geradewegs auf Lockdown-­ähnliche Beschränkungen auch für verschiedene Wirtschaftsbereiche zu.

Die Wirtschaft habe seit dem Frühjahr sehr viel­e schmerzvolle Schritte bis jüngst hin zur Einführung der Sperrstunde um 22 Uhr und der Registrierungspflicht mitgetragen, einen neuerlichen Lockdown oder Gastro-Sperren lehne man aber strikt ab, das würden viele Betriebe nicht mehr überleben. Viele Arbeitsplätze seien in Gefahr, betonten gestern Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser, Tourismus-Obmann Mario Gerber und Seilbahnen-Obmann Franz Hörl.

„Covid-19 ist keine Wirtschaftspandemie“, so Walser. Nur etwas mehr als 3 Prozent aller Infektionen würden in der Gastronomie und Hotellerie erfolgen, ganz wenige auch nur in anderen Wirtschaftsbereichen. Hingegen passierten weit mehr als die Hälfte aller Corona-Neuinfektionen im privaten Bereich. Man fordere deshalb statt eines Lockdowns zeitlich begrenzte „massive Kontrollen“ und eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 22.30 Uhr und 6 Uhr Früh. Die Wirtschaftskammer sei im regen Austausch mit Bürgermeistern, von denen man erhoffe, dass sie auf die Bevölkerung einwirken können. Natürlich müsse man den Privatbereich vorsichtig behandeln, sagt Walser. „Keiner will einen Polizeistaat.“ Aber zeitlich begrenzte Maßnahmen halte er für sinnvoll. Das wirtschaftliche Leben müsse hingegen tagsüber aufrechterhalten werden.

„Je weniger Schließungen es gibt, desto weniger Entschädigungen muss man zahlen“, sagt Hörl. Viele von der Regierung zugesagte Zahlungen seien noch immer ausständig, kritisiert Walser.

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Scharfe Kritik übten die Wirtschaftsvertreter am Dschungel an Reisewarnungen und den Hürden für Pendler. Gerber und Hörl sprechen von einem „modernen Wirtschaftskrieg“ und einem „Angriff auf die Pendler“. Das Grenz- und Ampel-Chaos entspräche nicht „dem Europ­a, für das wir gekämpft haben, das könnte auch das Ende Europas sein“. Man habe deshalb gestern eine drei Wochen laufende Online-Petition unter dem Titel „Stoppt die kontraproduktiven Reisewarnunge­n und Beschränkungen im Grenzverkehr!“ gestartet. Bereits zum Start gab es eine Welle von mehr als 700 Unterschriften.


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