Mehrheit für neue Swarovski-Struktur, aber Umbau löst Klagswelle aus

Gut 80 Prozent Zustimmung gab es gestern bei der Gesellschafterversammlung für den familienintern heftig umstrittenen Konzern-Umbau bei Swarovski. Im Kristall-Clan drohen nun jahrelange Millionen-Prozesse.

Denver-Clan auf Tirolerisch? In der Kristall-Familie Swarovski fliegen weiterhin die Fetzen, bald auch vor den Gerichten.
© Swarovski

Von Alois Vahrner

Wattens – Im heuer durch die Corona-Krise weiter unter Druck geratenen Kristallkonzern Swarovski bleibt es höchst turbulent – und das wohl noch auf Jahre.

Nachdem vor einigen Wochen ein Vorstoß der Konzernspitze auf einen Konzern-Umbau die erforderliche Einstimmigkeit der etwa 80 Familien-Gesellschafter nicht erreichen konnte, gab es einen neuen Anlauf mit einem adaptierten Vorschlag. Eine große Mehrheit von rund 80 Prozent der Gesellschafter (allerdings etwas weniger als beim ersten Versuch im September) stimmte gestern dem Konzernumbau zu.

Für Swarovski-Chef Robert Buchbauer seien diese Beschlüsse „rechtswirksam und ein eindeutiger Auftrag, den seit Frühjahr laufenden Transformations- und Integrationsprozess von Swarovski fortzusetzen.“ Laut Buchbauer soll eine Familienholding als oberstes Lenkungsorgan mit Sitz in Wattens geschaffen werden. Nach der Geschäftsführung und dem Beirat hat auch die große Mehrheit der Gesellschafter den Weg zu einer Strukturreform ermöglicht. „Mit neuen, schnellen und modernen Strukturen wird es möglich, Swarovski zeitgemäß zu führen“, so Buchbauer. Der Standort Wattens sei durch die gestrigen Beschlüsse langfristig gesichert.

Mit dem Eintritt der Swarovski International Holding (SIH) in die Daniel Swarovski Kommanditgesellschaft (für 350 Mio. Euro Einlage hält sie dort nun 87,5 Prozent) könnten alle Reformen nun „rasch, zielgerichtet und solide“ erfolgen. Andererseits blieben die Eigentumsrechte aller Familien-Gesellschafter erhalten. Die SIH werde zur Gänze von einer bereits bestehenden Familienholding (SAH) mit Sitz in Österreich gehalten. „Der Weg der Transformation muss gegangen werden. Wir tun dies verantwortungsbewusst, werden nun die Beschlüsse umsetzen und richten unseren Blick nach vorne“, betont Buchbauer.

TT-ePaper testen und eine von drei Gasser Tourenrodeln gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die TT verlost drei Gasser Tourenrodeln und 50 Thermosflaschen

Keinesfalls mit dem Umbau abfinden will sich die oppositionelle Familiengruppe aus dem Stamm Fritz. Aus deren Sicht wäre für derart große Eingriffe in die vertraglichen Rechte der Gesellschafter Einstimmigkeit notwendig gewesen.

Die neue Familienholding ist für die Gruppe rund um Gerhard, Paul, Helmut und Nadja Swarovski nicht mehr als „eine Nebelgranate“ und „ein zahnloses Gebilde“. Die gesamte Entscheidungsmacht würde dadurch de facto aus Tirol hinaus in die Schweiz wandern. Über einen Kapitalzuschuss würde die Schweizer Holding den Löwenanteil bekommen, die Anteile der Gesellschafter würden komplett verwässert werden.

Mangels erforderlicher Einstimmigkeit unter den Gesellschaftern ist für die Kritiker die Änderung der Konzernstruktur „auf keinen Fall rechtens“. Bei der gestrigen Gesellschafterversammlung habe man bereits Widerspruch zum Protokoll eingelegt. Man werde „alle Rechtsmittel“ ergreifen, um die Nichtigkeit gerichtlich geltend zu machen.

Zudem sei in der Sitzung angesprochen worden, dass es eine Tiroler Bank gebe, die bereit wäre, die Finanzierung in Wattens zu übernehmen – jedoch nur unter einer neuen Konzernführung, wie es seitens der oppositionellen Familiengruppe hieß. Dass der Konzernumbau alternativlos sei, wie dies die Konzernführung betont habe, stimme also nicht. „Außerdem haben mehrere von uns angeboten, Wattens zu übernehmen und aufzufangen, bevor es mutwillig zerstört wird“, erklärten die Swarovski-Familienmitglieder. Jedenfalls hafte die Konzernführung auch persönlich für alles, was man jetzt an rechtswidrigen Schritten hin in Richtung der vorgeschlagenen diktatorischen Struktur unternehme. Die Verantwortlichen sollten nach „vielen Jahren des Misserfolgs und der Unkultur den Weg freimachen, anstatt verzweifelt zu versuchen, ihre Macht einzuzementieren“. Eine Sonderprüfung sei gerichtlich bereits beantragt.

Der Kristallkonzern rechnet heuer mit einem Umsatzeinbruch von etwa 35 Prozent und roten Zahlen. Die Konzernspitze kündigte bereits Schließungen eines Teils der 1500 eigenen Kristall-Verkaufsshops und etlichen Fabriken, etwa in Thailand und Vietnam, an. Am Stammsitz in Wattens werden nach dem Aus von 200 Stellen zu Jahresbeginn bis Jahresende 1000 weitere und in der Folge bis 2022 nochmals 600 Jobs gestrichen. Global fielen bereits 6000 Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer. Diese Woche hatte Buchbauer auch angekündigt, dass es heuer keine Ausschüttung von Dividenden für die Familienmitglieder geben werde. Wenn den Beschäftigten so große Opfer abverlangt würden, könne man bei Verlusten keine Dividende auszahlen.


Kommentieren


Schlagworte