Umlauf nahm zu: Das Bargeld leidet nicht unter dem Coronavirus

Auch während der Coronavirus-Pandemie sagen 78 % der Österreicher Ja zum Bargeld. Laut Nationalbank nahm der Bargeldumlauf zu.

Bargeld-Anhänger sehen in Münzen und Noten die einzige Garantie für den Fortbestand der Privatsphär­e, maximale Kontrolle und den Schutz vor Zugriff.
© Münze Österreich

Innsbruck – „Bitte bezahlen Sie möglichst mit Bankomat oder Kreditkarte – Sie helfen damit unseren Kolleginnen und Kollegen an den Kassen, möglichst wenig Bargeld anzugreifen“, steht auf einem Schild an der Kass­e eines Supermarkts. Nachdrücklich mit dem Verweis, „Personal und sich selbst“ zu schützen. Der Grund dafür waren Vorsichtmaßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie, gefährden wollte man weder ander­e noch sich selbst. Dabei sei Bargeld keine Gefahr, informiert die Münze Österreich und zitiert Virologen und die Weltgesundheitsorganisation WHO.

„Das auf dem Geldstück klebende Virus würde ich mal weitgehend vergessen“, sagte etwa der deutsche Virologe Christian Drosten in seinem NDR-Podcast. Der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité erläuterte, dass Corona-Viren behüllte Viren seien. Diese seien gegen Eintrocknung extrem empfindlich und nicht so leicht übertragbar wie etwa Schnupfenviren, die unbehüllt und daher weniger empfindlich gegen Eintrocknung seien.

Wichtig sei jedenfalls: Hände waschen, Masken tragen, Abstand halten. Und in der ersten Zeit der Verunsicherung sei auch die WHO falsch zitiert worden: „Wir wurden falsch dargestellt. Wir haben nicht gesagt, dass Bargeld das Corona-Virus überträgt“, stellte WHO-Sprecherin Fadela Chaib klar.

Trotz der Aufrufe, kein Bargeld zu verwenden, wünschen sich 58 Prozent der Österreicher, dass Bargeld in der derzeitigen Bedeutung erhalten bleibt, stellte die Oesterreichisch­e Nationalbank (OeNB) in einer Umfrage zum Zahlungsverhalten der Österreicher im Frühsommer fest. Während des Lockdowns, als viele Geschäfte geschlossen und die Ansteckungsquellen unklar waren, sei die Verwendung von Bargeld zurückgegangen. Insbesondere die älteren Konsumenten scheuten vor dem physischen Kontakt zurück. Mittlerweile kehren aber viele zum Status quo – also einem Zuspruch von 70 bis 80 Prozent – zurück. Wer es vorzieht, mit dem Handy zu bezahlen, gehört zu einer Minderheit, nur 3,9 Prozent bevorzugen diese Methode und selbst in der Gruppe der 14- bis 35-Jährigen sind es lediglich 7,9 Prozent. 77 Prozent würden den Banken und Sparkassen personenbezogene Daten anvertrauen. Die Münze Österreich zitiert außerdem eine Umfrage der ING-Bank aus dem August 2020, laut der 78 Prozent Ja zu Bargeld sagen.

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Laut Nationalbank (OeNB) werden nach wie vor drei Viertel aller täglichen Zahlungen in bar getätigt. Auch werden gewisse Vorteile des Bargeldes – etwa Übersicht, Anonymität und jederzeitige Verwendbarkeit – sehr hoch bewertet. Für das Zahlen von kleineren Beträgen sei Bargeld auch betriebswirtschaftlich das günstigste Zahlungsmittel.

Die im Umlauf befindlichen Banknoten und Münzen nehmen laut OeNB stetig zu. Während die Wirtschaftsleistung in den 19 Euroländern seit der Euroeinführung um etwa die Hälfte angestiegen sei, habe sich alleine der Euro-Banknotenumlauf in der gleichen Zeit auf eine Summe von fast 1,4 Billionen Euro verfünffacht. Dazu kommen noch Münzen im Wert von über 30 Milliarden Euro. Heuer nahm der Bargeldumlauf – trotz Lockdowns, teilweiser Schließungen bzw. früherer Sperrstunden, einer Kaufzurückhaltung bei den Menschen und einem stark eingeschränkten Fremdenverkehr – mit 8 Prozent viermal so stark zu wie im selben Zeitraum des Vorjahres. (TT)


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