Corona-Zahlen in Österreich steigen dramatisch: Erste Intensivbetten sind voll

In den Vorarlberger Krankenhäusern spitzt sich die Lage teilweise zu. Intensivmediziner warnen vor einem Kollaps des Gesundheitswesens, sollte die Trendwende nicht gelingen.

Die Corona-Fallzahlen steigen deutlich – fast 300 Infizierte liegen auf Intensivstationen.
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Wien – Die Corona-Infektionszahlen steigen weiter dramatisch an. Ab morgen werden weite Teile des Landes heruntergefahren, um die Ausbreitung der Pandemie zu bremsen, aber vor allem um die Kapazitäten im Gesundheitswesen nicht zu sprengen. Wovor jedoch viele Experten bereits eindringlich gewarnt haben, ist nun in Vorarlberg eingetroffen.

Klaus Markstaller.
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Im städtischen Krankenhaus Dornbirn sind seit gestern alle Intensivbetten belegt, sagte Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (VP) gegenüber dem Portal vol.at. Die Landeskrankenhäuser werden bei einem weiteren Anstieg der Intensivfälle aushelfen. Die acht Betten auf der Intensivstation in Dornbirn seien zur Hälfte mit Covid-19-Patienten belegt. Zusätzlich würden auf der Normalstation 15 weitere Covid-Patienten und weitere elf Verdachtsfälle behandelt. Nun soll ein gesamtes Stockwerk für Corona-Patienten freigeräumt werden, wurde Kaufmann zitiert.

Wir brauchen jetzt die Trendwende, um einer Überforderung der Spitalskapazitäten Einhalt zu gebieten.
Klaus Markstaller (Mediziner)

Der zweite Lockdown, den die türkis-grüne Bundesregierung verordnet hat, sorgt für geteiltes Echo. „Wir begrüßen diese aktuellen Schritte im Pandemie-Management, die aus Sicht unseres Fachgebietes dringend erforderlich waren“, befand Klaus Markstaller, Präsident der Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI).

Fast 300 Corona-Patienten liegen auf Intensivstationen. Das Spitzenniveau vom April sei wieder erreicht, allerdings sei im Gegensatz zu damals noch nicht der Zenit erreicht, weil sich die aktuellen Maßnahmen erst zu einem späteren Zeitpunkt niederschlagen werden“, erklärte Markstaller.

„Wir brauchen jetzt die Trendwende, um einer Überforderung der Spitals- und insbesondere der Intensivkapazitäten Einhalt zu gebieten“, appellierte der Mediziner an die Bevölkerung, die Maßnahmen einzuhalten. „Bei Überlastung des Systems ist die individuell optimale Betreuung für jede und jeden kritisch Kranken – ob mit oder ohne Covid-19 – nicht mehr möglich und weicht einer ‚Triagemedizin‘ – es sind also Priorisierungen nötig und nicht alle kommen in den Genuss einer optimalen Versorgung.“ Dann steige auch ganz klar die Sterblichkeit, das zeigen die Erfahrungen aus anderen Ländern, wo diese Überlastung eingetreten ist. „Im Klartext: Es sterben Menschen, die nicht sterben müssten“, warnte Markstaller.

📽️ Video | Auslastung der Intensivmedizin:

Die SPÖ-regierten Bundesländer Wien, Kärnten und Burgenland kritisierten indes „unkoordiniertes Vorgehen“ der Bundesregierung bei den Covid-19-Maßnahmen. Dadurch würden Eltern, Lehrer und Schüler verunsichert, monieren die Bildungsreferenten Jürgen Czernohorszky, Peter Kaiser und Daniela Winkler. Der Bildungsbereich werde zum Spielball der Regierung – Wien, Kärnten und Burgenland würden „ins Abseits gestellt“, hieß es.

Auch im Nationalrat sorgte die Covid-Verordnung gestern für hitzige Diskussionen. Die Maßnahmen mussten noch vom Hauptausschuss abgesegnet werden. Weil ÖVP und Grüne eine Mehrheit haben, war das nur Formsache. (sas, APA)

„Polizei wird Maßnahmen konsequent vollziehen“

Ob die neuen, drastischen Corona-Regeln eingehalten werden, kontrolliert die Polizei. Laut ÖVP-Innenminister Karl Nehammer werden die Beamten die „Maßnahmen konsequent vollziehen“, dabei aber „die Verhältnismäßigkeit im Auge behalten“. Die „3-D-Strategie“ sei: „Dialog, Deeskalation und Durchgreifen“. Doch Nehammer warnt: „Wer es darauf anlegt – und sich den Maßnahmen bewusst widersetzt –, darf nicht mit Toleranz rechnen.“ So müsse etwa ein Barbetreiber, der geöffnet hat und Gäste bedient, mit einer Strafe von bis zu 30.000 Euro rechnen. Den Gästen würde ebenfalls eine Strafe in Höhe von bis zu 1450 Euro drohen. Wenn ein Beamter, der gerade auf Streife ist, eine Garagenparty bemerkt, dürfe dieser sofort einschreiten, erklärt Nehammer. Bei Verdacht müsse das die Gesundheitsbehörde übernehmen.

Rechtsanwälte-Präsident Rupert Wolff glaubt im APA-Gespräch, dass es die Exekutive „sehr schwer“ haben werde, die Corona-Regeln umzusetzen. Denn: Vieles sei „sehr schwammig“ und nicht ausreichend erklärt.

Kirchen verschärfen die Corona-Regeln

Religionsgemeinschaften verschärfen nun auch die Corona-Maßnahmen. Ab morgen gelten folgende Regeln in den Kirchen, wie ÖVP-Kultusministerin Susanne Raab gestern mitteilte: Öffentliche Gottesdienste sind weiterhin möglich. Wie bisher ist während des gesamten Gottesdienstes eine Maske zu tragen. Desinfektionsmittel werden ausreichend zur Verfügung gestellt.

Weiters ist zwischen den Gläubigen ein Abstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten. Die Pflicht zum Mindestabstand gilt nicht, wenn dies die Vornahme religiöser Handlungen erfordert – dann ist ebenfalls eine Maske zu tragen. Gemeinde- und Chorgesänge werden bis auf Weiteres ausgesetzt. Aufschiebbare religiöse Feiern werden auch aufgeschoben – dazu zählen etwa Trauungen, Taufen, Firmungen und Erstkommunionen. Zudem werden die Kirchen und Religionsgesellschaften weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie setzen. So werden etwa Online-Angebote eingesetzt, Gottesdienste sollen kürzer dauern und jede zweite Kirchenbank soll abgesperrt werden.


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