Tiroler Gletscherskigebiete kritisieren abrupten Stopp wegen Lockdown

Kaum Vorlaufzeit, fehlende Informationen: Der zweite Lockdown ist für Tirols Gletscherskigebiete eine gewaltige Herausforderung.

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Optimale Bedingungen herrschen derzeit auf Tirols Gletschern – wie hier im Stubai. Die Schließung mit 3.11. schmerzt umso mehr.
© Stubaier gletscher

Stubai, Kaunertal, Pitztal – Beste Schneelage, traumhafte Bedingungen: Für Tirols Gletscherskigebiete (Hintertux, Stubai, Sölden, Pitztal, Kaunertal) ist es besonders bitter, dass sie mit morgigem Dienstag bis Ende November den Betrieb einstellen müssen. Kritik gibt es vor allem an der kurzen Vorlaufzeit: „Bekanntgabe am Samstag, Betriebsschluss am Montag – wir müssen binnen zwei Tagen von 110 auf 0 Prozent herunterfahren“, berichtet Reinhard Klier (Stubaier Gletscher). 110 Prozent deshalb, weil man aufgrund der strengen Sicherheitsmaßnahmen – die nach kurzer Lernphase gut funktioniert hätten – einen höheren Aufwand und Personalstand habe, was nun alles noch schwieriger mache.

Klier hofft, dass die Förderung durch die öffentliche Hand „diesmal unbürokratischer klappt als beim ersten Lockdown“. Den Bahnen sei ein Umsatzzuschuss von 80 Prozent des Vorjahrsumsatzes in Aussicht gestellt worden. „Noch fehlen aber die Vorgaben, was wir dafür tun und lassen müssen: Können wir in Kurzarbeit gehen? Sind Saisonmitarbeiter zu behalten oder nicht?“

„Für die Gletscherregionen geht jetzt nach dem Frühjahr die zweite Hauptsaison flöten“, ärgert sich Beate Rubatscher-Larcher über den Lockdown. Die Geschäftsführerin der Pitz- und Kaunertaler Gletscherbahnen kritisiert ebenfalls den fehlenden Vorlauf: „Wir tappen derzeit noch im Dunkeln.“ Bei der ersten Welle habe man Verständnis gehabt, für die zweite hätte man sich „mehr Handlungsanleitung“ erwartet.

Kann man es sich überhaupt leisten, für Spitzensportler offen zu halten – was grundsätzlich möglich sein dürfte? „Wir warten auf die Verordnung und die Definition“, erklärt Rubatscher-Larcher. „Wenn nur einzelne überbleiben, rechnet es sich nicht.“ Trotz allem Ärger findet sie die Soforthilfemaßnahmen „eine tolle Sache“, man lebe in einem Sozialstaat, das sei nicht selbstverständlich.

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Nicht nachvollziehen kann die Schließungen ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel: „U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse sind offen – Gondeln sperrt man zu.“ Dabei könne man diese problemlos lüften. „Das Ganze wirkt wie eine Hauruck-Aktion.“ (md, mr, floh)


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