Oktoberfestival im Haus der Musik: Die Bewegungen des Horizonts

Der Tiroler Komponist Johannes Maria Staud im Mittelpunkt des Oktoberfestivals.

Das Ensemble Phace im Haus der Musik in Innsbruck: Von links Dirigent Nacho de Paz, mit Maske Johannes Maria Staud, daneben Ivana Pristašová, die am Tiroler Landeskonservatorium eine Violinklasse und das Ensemble KONStellation leitet, rechts außen der Tiroler Klarinettist Walter Seebacher.
© Malyshev

Von Ursula Strohal

Innsbruck – „Komponisten scheuen sich manchmal, die Tonalität zu verwenden“, wird Toru Takemitsu im Programmheft des Oktoberfestivals der Galerie St. Barbara zitiert, „aber wir können alles von der Tonalität bis zum Atonalen verwenden – das ist unser Schatz.“ Für den Japaner war im zwei Abende überspannenden, dreiteiligen Porträt von Johannes Maria Staud ein Klaviertrio reserviert, in dem er seine Tonalität mittels eines kleinen Motivs durch Wind und Wellen schickt. Und tatsächlich: Olivier Messiaen hat auch ihn beeindruckt.

Takemitsus naturnahes „Between tides“ (Zwischen den Gezeiten) war fein positioniert vor der Uraufführung von Stauds „Am Horizont (… schon ganz woanders …)“, das damit sogar rückwirkend wurde. Staud verschränkt zehn Instrumente mit Zuspielungen, beschrieben als „körnige, klackernde, blubbernde Klänge“, die dem Gesang des Wassers nahe sind. Das Floaten von und zwischen Bassflöte, Klarinette, Saxophon, Trompete, Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass, Schlagwerk und Klavier verschiebt sich in der Bewegung wie der Horizont, es kommt zu scharfen Streichen, symphonischem Aufbrausen, Lichtwechseln. Spannende, in sich selbst und für Staud überraschende, auch sinnliche Musik voller Leben. Ein Auftragswerk des Osterfestivals und des Ensembles Phace, dessen Solisten die Staud-Abende in verschiedenen Besetzungen beeindruckend gestalteten.

Eingeleitet hatte das Staud-Porträt am Freitag ein „Salon“-Gespräch mit dem Komponisten, gefolgt von einem Konzert im Haus der Musik Innsbruck mit Werken in solistischer und diverser Trio-Besetzung. Der zweite, größer besetzte Phace-Abend war eingeleitet worden mit „Modulations mécaniques“ der Spanierin Núria Giménez-Comas, deren Musik- und Mathematikstudien ihrer Musik abzulesen sind. Der Stücktitel spricht treffend von mechanischer Rhythmik und Veränderung. Über einem Orgelpunkt des Violoncellos entfaltet Lorenzo Troiani mit Flöte, Klarinette, Violine und Klavier suggestive Harmonien und Spannungen, betitelt als „Endloses Ende“, das er mit dem Bild des Tänzers auf gespanntem Seil übersetzt.

Als Ausklang noch ein Höhepunkt mit „Lichtbogen“ für Ensemble und Electronics von Kaija Saariaho, die Naturerscheinungen, speziell das Polarlicht, einzigartig in Musik zu verwandeln vermag.

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