Großschartner im TT-Interview: „Es ist ein Luxus, dass wir fahren“

Vor dem großen Finale der Vuelta spricht Österreichs Rad-Ass Felix Großschartner (7./Bora) mit der Tiroler Tageszeitung über Gefahren, Kritik und Chancen.

Der Oberösterreicher Felix Großschartner ist Siebenter.
© gepa

Herr Großschartner, Sie haben auf Etappe zehn der Vuelt­a als Zweiter hauchdünn den Etappensieg verpasst, sind im Gesamtklassement vor der Schlusswoche Siebenter. Wie zufrieden müssen Sie da sein?

Felix Großschartner: Ich bin voll zufrieden. Ich wusste, dass mir die erste Woche von der Strecke her richtig gut liegt. Dass es da so gut lief, hat mir viel Selbstvertrauen gegeben, vor allem als ich gemerkt habe, dass ich bei den langen Etappen mithalten kann.

Am Sonntag haben Sie als Zehnter über zwei Minuten Zeit verloren – ärgerlich?

Großschartner: Nein, ich hätte schon mitfahren können, aber es war so abgesprochen.

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Am Dienstag wartet das Einzelzeitfahren, dann am Samstag die letzte Bergankunf­t. Was nehmen Sie sich für die Finalwoche der Grand Tour vor?

Großschartner: Das Zeitfahren kommt mir entgegen, unter den Bergfahrern bin ich doch einer der besseren Zeitfahrer. Da kann ich Zeit gutmachen nach vorne. Der fünfte Platz ist jedoch schon noch weit weg. Wenn ich bis zum Ziel in Madrid noch in den Top Ten bleibe, wäre das schon super. Aber da kann viel passieren.

Vor allem angesichts der schwierigen Lage rund um das Coronavirus. Wie erleben Sie die Vuelta im Gegensatz zum Vorjahr?

Großschartner: Es ist sehr komisch ohne Zuschauer, gerade in Regionen, wo sie richtig radverrückt sind. Aber sie sperren hier alles gut ab. Es ist wichtig, dass weiterhin alles so gut funktioniert, weil das unser Job ist. Wenn alles ausarten würde und keine Rennen stattfinden, wäre das fatal. Es ist ein Luxus, dass wir die Rennen überhaupt fahren. Aber man muss auch sagen: Jedes Rennen läuft gut und sicher ab. Das Leben in der Bubble bin ich ja eh schon von der Tour de France gewohnt.

Wie ist dieses Leben in der „Isolation“ für Sie?

Großschartner: Für uns Fahrer ändert sich fast nix. Im Team ist alles gleich, außer, dass wir alle Masken tragen. Wenn einer positiv ist, muss der, der mit ihm in Kontakt stand, auch gehen. Deshalb habe ich zur Sicherheit ein Einzelzimmer, weil ich der Kapitän bin.

Wie schwierig ist es, einen Monat nach der Tour de France die Vuelta zu fahre­n?

Großschartner: Es geht, nach der Tour habe ich gut rausgenommen, bin daheim gewesen und war mit Freunden gemütlich radeln. Das war die beste Entscheidung.

Spüren Sie den Unmut der spanischen Bevölkerung, den es ja geben soll?

Großschartner: Überhaupt nicht. Im Gegenteil: Die Leute freuen sich richtig, wenn man durch den Ort fährt.

Für 2021 gibt es bereits die ersten Renn-Absagen – wie blicken Sie voraus?

Großschartner: Es ist ganz schwer zu sagen. Ein gutes Zeichen gibt es: Wir haben heuer alle Rennen ohne Probleme durchgezogen. Aber die Gesundheit ist das Wichtigste.

Das Gespräch führte Roman Stelzl


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