Roman: Landesrat an der Pflegefront im Altenheim St. Korona

Roswitha Ladner verarbeitet in ihrem Roman ihre Erfahrungen im Altenheim – und teilt den Gesundheitslandesrat persönlich für Pflegedienste ein.

Roswitha Ladners Hobby ist Schreiben – in ihrem zweiten Buch prangert die Tobadillerin Fehler in der Altenbetreuung an.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Tobadill – Im Heim St. Koron­a ist einiges faul: Bewohner gehen dem Pflegepersonal an die Gurgel, Pfleger lassen alt­e Menschen stundenlang mit uringetränkten Einlagen sitzen, Kinder schieben ihr­e Elter­n möglichst weit ab – ganz allgemein aber fehlt die Zeit für Menschlichkeit.

Das Altenheim ist fiktiv – hat aber reale Bezüge. Erdacht hat es die Tobadiller Autorin Ros­witha Ladner. Die Haupt­figur ihres zweiten Romans mit dem Titel „Wenn der Kopf hin ist, hat das Herz Feierabend“ hat außerdem eine prominente Vorlage, wie sie selbst betont: Landesrat Bernhard Tilg.

Im Buch, das in der Corona-Pandemie fertig geschrieben wurde, geht es allerdings einmal nicht um das Virus, sondern ums Geld. „In der Pflege wird überall gespart – vor allem aber beim Personal“, so Ladner. Die Pensionistin prangert das an und hat ihre Kritik nun zu Papier gebracht.

Tilg heißt im Roman Heindl

Die Geschichte: Ein Landesbeamter, der für die Finanzierung der Heime zuständig ist, wird selbst ins Altenheim geschickt, um dort mitzuarbeiten und zu prüfen, wo Einsparungen möglich sind. Bei der Figur habe sie immer den Gesundheitslandesrat vor Augen gehabt, so Ladner. „Ich hab’ mich wegen dem Interview mit Armin Wolf in der ZIB 2 so über ihn geärgert. Da habe ich mir gedacht, den sollte man auch irgendwo hinschicken.“

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Tilg heißt im Roman allerdings Heindl – und hat nicht alles richtig gemacht. Seine Mitarbeit im Heim ist ihm gar nicht angenehm, viel lieber säße er am Schreibtisch. Vor der Pflege graust ihm, stattdessen lässt er sich die Geschichten der Bewohner erzählen. Und die sind nicht erfunden. „Ich habe selbst vor 20 Jahren als Pflegehelferin gearbeitet“, so Ladner. Nicht lange – dabei hat sie aber allerlei Anekdoten gesammelt, die nun zu Papier gebracht wurden. Manches ist durchaus schockierend.

„Es fehlt die Zeit“

„Es ist nur die Spitze des Eisbergs“, behauptet sie. Einiges sei allerdings so unglaubwürdig gewesen, dass es vom Lektor des Verlags gestrichen wurd­e. Eine Kritik wiederholt sich aber in der Geschichte: „Es fehlt die Zeit.“ Die Bewohner würden gern reden, aber das habe keinen Platz in der täglichen Arbeit. „Man kann den Menschen nicht nur abwaschen und gleich weiterspringen.“ Die Zuwendung bleibe auf der Strecke.

Die Erlebnisse von Ladner sind allerdings eine Zeit her – sie stammen vom Ende der 90er-Jahre. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das heute besser ist.“ Man war unterbesetzt, kam der Arbeit nicht hinterher, der Zahltag war mickrig, betont sie. „Ich war immer die Letzte“, nicht selten sei sie dafür angeschnauzt worden. Irgendwann warf sie das Handtuch.

Schwierige Verlegersuche

Knapp drei Jahre habe sie nun am Roman gearbeitet. Gar nicht einfach war es, einen Verleger zu finden – inzwischen ist das Buch im kleinen „Memoiren-Verlag Bauschke“ erschienen und kann in der Tyrolia Landeck und im gut sortierten Buchhandel bestellt werden.

Das Coverbild hatte bei einigen Lesern allerdings für Irritationen gesorgt, so Ladner. Es zeigt einen aufgeschnittenen Puppenkopf. „Mancher glaubte, ich will damit sagen, dass die alten Leute einen Sprung in der Schüssel hätten“, so die Autorin. „Heute ist alles auf Gewinnmaximierung aus“ – der Sprung sei bei den Verantwortlichen zu suchen.


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