Bricht die Covid-Welle nicht, drohen weitere Maßnahmen

Binnen zwei Wochen hat sich die Zahl der Corona-Patienten in Tirols Spitälern vervierfacht. Der Lockdown war für LH Platter alternativlos.

36 Infizierte mussten, Stand gestern Mittag, in Tirol auf einer Intensivstation behandelt werden. (Symbolfoto)
© APA/dpa/Fabian Strauch

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Die zweite Corona-­Welle hat Tirol voll erfasst – früher als erwartet und schlimmer als befürchtet. Die Zahl der hospitalisierten Covid-Infizierten hat sich in den vergangenen zwei Wochen vervierfacht. Mitte Oktober waren noch 59 Patienten in Tirols Spitälern in Behandlung, gestern Mittag bereits 226. Derzeit sind 36 Intensiv-Betten belegt, vor 14 Tagen waren es lediglich acht. Die Situation sei „sehr ernst“, sagte Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) gestern bei einer Presse­konferenz.

Besonders auch deshalb, weil die Zahl der Erkrankten und Spitalspatienten „auch in den nächsten Tagen weiter steigen wird“, meinte Platter. Trotz des heute in Kraft getretenen zweiten Lockdowns, dessen Wirkung sich erst in rund zwei Wochen zeigen werde. „Für mich persönlich gab es keine Alternativen zu den Maßnahmen. Ein längeres Zuwarten hätte ich als verantwortungslos empfunden.“

„Hier dürfen wir nicht tatenlos zuschauen

Denn auch wenn die Lage in den Tiroler Krankenhäusern derzeit noch unter Kontrolle sei, könnten bei einem andauernden Anstieg der Infektionsfälle die Kapazitäten schnell an ihre Grenzen geraten. „Hier dürfen wir nicht tatenlos zuschauen“, sagte Platter. Er hoffe, dass die jetzt gesetzten Schritte greifen, „wir in 14 Tagen eine stabile Situation haben und die Spitäler dann in einigen Wochen entlastet werden“. Tritt dies nicht ein, drohten im äußersten Notfall weitere Maßnahmen. „Jedes Leben ist es wert, gerettet zu werden.“

Ihr sei klar, wie ernüchternd, nervig und frustrierend der neuerliche Lockdown sei, betonte Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe Grüne). In der Gastronomie, dem Tourismus oder in anderen Sektoren „wurden mit viel Mühe Konzepte und Pläne erstellt. Leider waren diese Mühen nicht ausreichend und haben nicht zu der Reduktion an Infektionen geführt, die wir uns erhofft haben.“ Für Felip­e gelte es jetzt, die Zahl der Neuansteckungen „gemeinsam zu drücken. Verlassen Sie sich dabei aber nicht nur auf die erlassenen Maßnahmen“, appellierte sie an die Bevölkerung, Abstandsregeln und Hygieneempfehlungen einzuhalten. „Wir haben es im Frühjahr bereits einmal geschafft, gemeinsam die Kurve zu kriegen, und wir werden es wieder schaffen.“

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"Noch haben wir genug Reserven"

Laut Alexandra Kofler, ärztliche Direktorin des Landeskrankenhauses Innsbruck, müssten derzeit noch keine Operationen verschoben werden. „Es ist auch unser Ziel, die Bevölkerung so lang es geht so breit wie möglich zu versorgen. Noch haben wir genug Reserven, um das lang durchzuziehen“, erklärte Kofler. „Das kann sich aber täglich, wenn nicht stündlich ändern.“ Die Menschen in Tirol sollen „wegen des Virus nicht in Panik geraten, ihm aber höchsten Respekt zollen“.

Dass eine Ansteckung mit Covid-19 nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte, verdeutlichte auch Ewald Wöll. Die Menschen erkrankten schwerer als etwa bei der Grippe und blieben länger krank, rief der ärztliche Direktor des Krankenhauses Zams in Erinnerung. „Im Schnitt mussten unsere Patienten 33 Tage auf der Intensivstation behandelt werden.“


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