Terroranschlag in Wien fordert zwei Todesopfer

Der blutige Terroranschlag in der Wiener Innenstadt Montagabend hat mindestens zwei Todesopfer und zahlreiche Schwerverletzte gefordert. Eine Frau ist in der Nacht im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Ein Mann war bereits am Abend verstorben, nachdem mehrere Männer mit Langwaffen und Pistolen wahllos auf Passanten und Lokalbesucher in einem Ausgehviertel geschossen hatten. Mindestens ein Täter ist noch flüchtig und wird von der Polizei als sehr gefährlich eingestuft.

Ein weiterer Täter wurde von Sicherheitskräften erschossen. Die Polizei rief die Bevölkerung dringend dazu auf, in den Häusern zu bleiben und nicht auf die Straßen zu gehen. Die Schulpflicht in der Bundeshauptstadt wurde für Dienstag ausgesetzt. Wenn Eltern die Kinder nicht betreuen können, können sie sie in die Bildungseinrichtung bringen.

Der erschossene Täter dürfte laut Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) keinen Sprengstoffgürtel, sondern eine Attrappe getragen haben. Dies wird noch untersucht. Die Polizei überprüft derzeit noch die Identität des Attentäters.

Über die Herkunft und das Motiv der Täter wurde offiziell noch nichts bekannt gegeben, ausländische Medien berichten, dass es sich um IS-Anhänger handle. Das auf die Überwachung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen SITE zitierte auf seiner Homepage einen Jihadisten zu dem mutmaßlichen Anschlag in Wien: „Jihadist sagt, der Angriff in Wien ist ‚Teil der Rechnung‘ für die österreichische Beteiligung an der US-geführten Koalition“, heißt es dort. Beigestellt ist ein Bild der Seitenstettengasse in der Wiener Innenstadt.

Die deutsche „Bild“-Zeitung berichtete - mit einem verpixelten Foto -, dass der wahrscheinliche Haupttäter ein IS-Anhänger sei. Er habe die Tat am Montag auf Instagram angekündigt. Das könne man vorerst nicht bestätigen, man sei aber „dran“ und könne hoffentlich bei der für 6 Uhr früh angekündigten Pressekonferenz Auskunft geben, sagte Innenministeriums-Sprecher Harald Sörös der APA.

Der Angriff hatte gegen 20 Uhr in der Seitenstettengasse im belebten Ausgehviertel Bermuda-Dreieck begonnen, in dem kurz vor Beginn neuer Corona-Ausgangssperren und bei lauem Wetter viele Menschen unterwegs waren. Nach dem ersten Notruf bei der Polizei und dem Eintreffen der Einsatzkräfte kam es in weiterer Folge zu Schießereien zwischen der Polizei und den Tätern. Ein Polizist wurde dabei angeschossen und schwer verletzt. Bis zum späteren Abend wurden 15 Verletzte in verschiedene Wiener Spitäler eingeliefert, die bei dem Anschlag verletzt worden waren, sagte Christop Mierau, Sprecher des Wiener Gesundheitsverbunds. Mehr als zehn Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Der Großeinsatz der Exekutive lief in der Nacht weiter. So waren 150 Cobra- sowie 100 Wega-Beamte im Einsatz, dazu kamen mehrere 100 Streifenpolizisten sowie Kräfte in zivil. Die Gefahrenabwehr werde mit aller Kraft sichergestellt, sagte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf. Auch werden in Absprache mit den Partnerländern verstärkt Kontrollen an den österreichischen Grenzen vorgenommen. Weitere Schäden müssen hintangehalten werden, sagte Gerhard Pürstl, Landespolizeipräsident in Wien.

Auch das Bundesheer wurde aktiviert. Soldaten übernahmen den gesamten Objektschutz in der Bundeshauptstadt, um die Polizei zu entlasten und Teile des Jagdkommandos wurden zur Unterstützung der Terrorismusbekämpfung bereitgestellt.

Ein Video zum Anschlag zeigt dramatische Szenen aus der Seitenstettengasse. Ein mit einer Langwaffe bewaffneter Mann läuft die Gasse entlang und schießt auf einen vor einem Lokal stehenden Mann, der daraufhin zusammenbricht. Kurz darauf kehrt der Täter zurück und schießt mit einer Pistole aus kurzer Distanz ein zweites Mal auf den am Boden liegenden Mann.

Auf einem weiteren Video werden vier Männer an der Ecke Graben/Tuchlauben mit erhobenen Händen und nacktem Oberkörper von Sicherheitskräften gestellt. Davon gibt es auch Fotos, darauf knien die Männer am Boden vor den schwer bewaffneten Spezialeinheiten, dem Anschein nach könnte es sich um Festnahmen handeln.

erreichbar.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bestätigte im ORF, dass es sich bei der Attacke „definitiv um einen Terroranschlag“ gehandelt habe. Dieser sei „sehr professionell“ vorbereitet worden. Die Täter seien auch sehr gut mit Waffen ausgerüstet gewesen. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) sprach vom „schwersten Tag für Österreich seit sehr vielen Jahren“.

Die Polizei appellierte wegen der anhaltenden Gefahrenlage an die Bevölkerung: „Wenn Sie zuhause sind, bleiben Sie zuhause!“ Wer unterwegs ist, solle sichere Räume nicht verlassen bzw. versuchen, einen sicheren Raum aufzusuchen, wurde dringend geraten. Die Wiener City war großräumig abgesperrt, öffentliche Verkehrsmittel hielten nicht in der Innenstadt.


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