Jan Böhmermann zurück im TV: Tweets als Aphorismen der Gegenwart

Telegram und Twitter-Buch: Morgen kehrt Jan Böhmermann mit „ZDF Magazin Royale“ ins TV zurück.

Nach Radio und Sparten-TV wechselt Jan Böhmermann ins Hauptprogramm: „ZDF Magazin Royale“ läuft immer freitags, 23 Uhr.
© ZDF/Jens Koch

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Er ist jetzt auch bei Telegram. Wie der Wendler und Attila Hildmann. Jan Böhmermann teilt auf dem Instant-Messaging-Dienst aber keine kruden Theorien, sondern rührt vor rund 82.000 Subscribern ordentlich die Promotrommel für seine neue Show. In schönster Verschwörungstheoretiker-Manier („Es gibt nur eine Welt, aber sie gehört nicht allen!“) geht er der Frage nach: Wem ist noch zu trauen? Nach sechs Jahren im Sparten-TV bekommt der 39-Jährige jetzt eine Sendung im Hauptprogramm. Morgen, 23 Uhr, läuft die erste Folge von „ZDF Magazin Royale“.

Seit rund einem Jahr war der Moderator nur noch in digitalen Räumen anzutreffen, in seinem Podcast „Fest&Flauschig“, seinen Social-Media-Kanälen – allen voran Twitter. Seit 2009 füttert er das Medium und seine Leserschaft, rund 2,2 Millionen, mit Statusmeldungen, Sticheleien, Denkanstößen. Erst vor rund einem Monat hat Böhmermann seine Tweets, seine Aphorismen der Gegenwart, in ein Buch gebannt. Ja, er hat das Internet ausgedruckt.

Chronologisch führt Böhmermann auf 464 Seiten durch elf Jahre Twitter-Life. Mal lustig: „Möchte nach meinem Tod auf die iCloud hochgeladen werden“ (2011); mal nachdenklich: „Wann platzt die Selbstoptimierungsblase?“ (2017); oft provokant: „Putin! Lass es bleiben mit der Krim, bringt nix! Haben wir auch versucht – Epic Fail!“ (2014).

Böhmermanns digitale, mit Kontextverweisen verortete Chronik ist ein höchst individuelles Porträt einer Dekade, aber auch allgemeingültiges Abbild der Gegenwart – eines Heute, in dem die Grenzen zwischen analog und digital und zwischen high und low verschwimmen: Vom digitalen Lobgesang auf seinen Staubsaugerroboter ist der Weg zur deutschen Politik nur 280 Zeichen lang.

Online sind die Diskussionen und Tweets der letzten elf Jahre übrigens nicht mehr, Böhmermann hat sie gelöscht. Eine neue Ära ist angebrochen. Seine Late-Night-Satire soll übrigens fokussierter werden, thematisch stärker aufgestellt, verrät der Moderator. Und was wird aus Telegram?

Tagebuch. Gefolgt von niemandem, dem du folgst. Twitter-Tagebuch 2009–2020. Kiepenheuer & Witsch, 464 S., 22,70 Euro.


Kommentieren


Schlagworte