Folientunnel im Haller Stadtteil Heiligkreuz dürfen wachsen

Haller Gemeinderat gab mehrheitlich grünes Licht für bis zu sechs Meter hohe Gewächshäuser in Heiligkreuz. Opposition fürchtet Folgewirkungen für die Region.

In Kematen (Bild) gab es 2018 Aufregung um Folientunnel – so wie nun in Hall.
© Thomas Boehm / TT

Hall – Die geplante Errichtung mehrerer großer Folientunnel zum Gemüseanbau im Haller Stadtteil Heiligkreuz sorgte in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend für hitzige Kontroversen. Ein Landwirt möchte auf diese Weise künftig „Nischenprodukte“ wie Tomaten, Paprika und Chili geschützt anbauen.

Die schiere Dimension der Anlage stieß aber auf heftigen Widerstand der Opposition: Beim Auflagebeschluss für die Widmungsänderung im Mai habe man dazu „keine Information“ gehabt, kritisierte Vize-BM Wolfgang Tscherner (Für Hall, FH). Auf Nachfrage hätten BM Eva Posch und Vize-BM Werner Nuding (beide ÖVP) damals erklärt, es handle sich um „begehbare“ Tunnel. Später habe sich aber herausgestellt, dass es um drei 70 m lange, 12 m breite, traktorbefahrbare Folientunnel bzw. -gewächshäuser mit einer Firsthöhe von 6,1 m gehe. Ein Antrag von FH auf Aufhebung des Beschlusses fand aber keine Mehrheit.

„Es ist richtig, dass wir im Mai noch nicht wussten, wie die Tunnel aussehen“, erklärte Nuding. Damals habe man aber auch nur „die Art der Nutzung festgelegt“.

Eine „unglaubliche Veränderung des Landschaftsbildes“, ortet StR Barbara Schramm-Skoficz (Grüne). Man treffe einen „Grundsatzbeschluss“ mit „Folgewirkung“ für die ganze Region: „Wenn wir es hier erlauben, wird der Nächste kommen.“

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„Wir öffnen die Büchse der Pandora“, warnte auch GR Angelika Sachers (SPÖ). Tscherner sprach vom „Beginn industrieller Landwirtschaft in einem Wohngebiet“.

Sein Fraktionskollege Nicolaus Niedrist verwies u. a. auf eine Stellungnahme des Raumplaners, der die Tunnel aus fachlicher Sicht „sehr kritisch“ beurteilt und ebenfalls auf die „Beispielfolgen“ für den Raum Innsbruck/Thaur/Hall hinweist („massive und überaus nachteilige Veränderung des Orts- und Landschaftsbildes“).

Zudem sei nirgends belegt, dass die Folientunnel für die Existenz des Betriebs nötig seien, so Niedrist, die Abteilung Agrarwirtschaft beim Land habe nur erklärt, dass damit die „Ertragsfähigkeit des Betriebes“ gesteigert werde.

Nudings Konter: Derselbe Raumplaner habe aber auch die Stellungnahmen von Anrainern – die u. a. Nutzungskonflikte, verstellte Blickachsen, Lärm oder Probleme mit der Versickerung fürchten – bewertet und empfohlen, diese abzulehnen. So bestehe z. B. genug Abstand zwischen den Gewächshäusern, damit Wasser versickern könne.

Letztlich gehe es darum, wie im Örtlichen Raumordnungskonzept vorgesehen, „die Landwirtschaft in Heiligkreuz nachhaltig zu sichern“. Der Landwirt könne so die Anbauperiode verlängern und Wintergemüse schützen. „Wenn wir regional mit frischem Biogemüse versorgt werden wollen, müssen wir Entwicklung möglich machen“, betonten Nuding sowie die FPÖ.

Die Nachbarn würden die Rundbögen vor allem von der Stirnseite sehen, so Nuding weiter, hätten also keineswegs „eine Wand vor Augen“. Zudem erlasse man, um den Anrainern entgegenzukommen, einen Bebauungsplan: Dieser sehe eine Verschiebung der Baufluchtlinie vor, so dass im Schnitt 10,5 m Abstand zum Nachbargrundstück bzw. 15 bis 20 m zu den Nachbarhäusern bestehe. Am Ende wurden Flächenwidmung und Bebauungsplan mehrheitlich beschlossen. (md)


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