Kürzere Öffnungszeiten? Tiroler Einkaufszentren setzen auf Eigeninitiative

Die Sozialpartner wollen Shopping-Schluss um 19 Uhr. Noch fehlt eine entsprechende Verordnung. Tiroler Malls setzen auf Eigeninitiative.

Ohne entsprechende Verordnung hängt der frühere Ladenschluss davon ab, ob Betriebe der Sozialpartnerempfehlung folgen.
© APA

Innsbruck, Wien – Seit Dienstag gelten österreichweit Ausgangsbeschränkungen von 20 bis 6 Uhr. Solange diese Corona-bedingte Maßnahme gilt, sollen Geschäfte bereits um 19 Uhr schließen, fordern die Sozialpartner. Doch ohne entsprechende Verordnung – die vom Gesundheitsministerium geprüft wird – bleibt der Wunsch von Gewerkschaft und Wirtschaftskammer eine Empfehlung.

Im Völser Einkaufszentrum Cyta wurde die Entscheidung gefällt, die Öffnungszeiten um jeweils eine Stunde zu reduzieren. „Per Freitag gehen wir auf 18 Uhr retour“, kündigte Cyta-Chef Erich Pechlaner für den Zeitraum der Beschränkungen an. Der Lebensmittelhandel habe am Freitag noch bis 19.45 Uhr geöffnet, falls es da eine Verordnung gebe, werde dieser schon um 19 Uhr zusperren. „Eine sehr geordnete Versorgung der Kunden ist dadurch möglich. Und jeder hat die Möglichkeit, vor 20 Uhr nach Hause zu kommen“, so Pechlaner. Vor der Entscheidung wurden die Shopping-Aktivitäten seit Dienstag analysiert. „Ab 18 Uhr bricht die Frequenz weg“, beobachtete der Cyta-Manager.

Im Osten Innsbrucks, im Einkaufszentrum DEZ, will man mit der Entscheidung über einen vorverlegten Ladenschluss warten. „Anhand der Verordnung treffen wir eine Entscheidung und werden unsere Öffnungszeiten selbstverständlich anpassen“, sagte DEZ-Centermanager Helmut Larch. Solange nichts am Tisch liege, gelten die bewährten Öffnungszeiten bis 19 Uhr, am Donnerstag und Freitag bis 20 Uhr.

Keine Pläne für einen früheren Einkaufsschluss gibt es im Kaufhaus Tyrol. Die Shops im Einkaufszentrum sperren ohnehin um 19 Uhr zu. Etwas kürzer, bis 18.30 Uhr, haben die Geschäfte im Wörgler M4 geöffnet, der Lebensmittelhändler im Haus länger. „Das bleibt so, solange es keine neue Verordnung gibt“, sagte M4-Centerleiterin Daniela Schlemmer. In den Innsbrucker Rathausgalerien gelten temporär verkürzte Kernöffnungszeiten von wochentags bis 18 Uhr, Samstag bis 17 Uhr. „Es ist einfach zu wenig los“, erklärte Centermanager Peter Retter die freiwillige Verkürzung. Die Müller-Filiale habe werktags bis 19 Uhr geöffnet.

„Falls eine neue Verordnung kommt, die 19 Uhr vorschreibt, passen wir uns natürlich an“, heißt es beim Innsbrucker Einkaufszentrum Sillpark. Bis dahin werden die Shops etwas früher geschlossen – am Donnerstag und Freitag nämlich bereits um 19.30 statt um 20 Uhr. Der Interspar habe weiterhin bis 20 Uhr geöffnet. Bei Spar hält man die frühere Schließzeit sogar für kontraproduktiv, es sei aus epidemiologischer Sicht besser, wenn sich „die Kunden über mehr Stunden“ verteilen“, sagte Spar-Sprecherin Nicole Berkmann.

Auch ohne Betriebsschließungen für den Handel rechnet Dieter Unterberger, Obmann des Tiroler Handels, mit massiven Umsatzeinbußen. Denn gerade in Tirol gebe es eine enge Verknüpfung zwischen dem Handel und dem Tourismus. Unterberger fordert eine staatliche Unterstützung auch für indirekt betroffene Branchen. (ritz)


Kommentieren


Schlagworte