Nach Journalistenmord verhaftet slowakische Polizei Ex-Chefs

Mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Mord am Investigativjournalisten Jan Kuciak hat die slowakische Polizei mehrere ihrer damaligen Chefs festgenommen. Die Spezialstaatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität bestätigte am Donnerstag auch Hausdurchsuchungen. Unter dem Codenamen „Fegefeuer“ sei die Spezialeinheit NAKA gegen mehrere Personen wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgegangen, sagte eine Sprecherin, ohne Namen zu nennen.

Der TV-Sender Markiza filmte Polizisten, die das Privathaus eines ehemaligen Polizeipräsidenten durchsuchten und diesen wegführten. Andere Medien dokumentierten Festnahmen eines Ex-Leiters der Antikorruptionseinheit, eines ehemaligen NAKA-Chefs und anderer ehemaliger Spitzenfunktionäre der Polizei. Schon im September war ein Ex-Chef der Steuerfahndung festgenommen worden, bereits im Jänner ein ehemaliger Generalstaatsanwalt. Andere Staatsanwälte und Richter sowie die ehemalige Justiz-Staatssekretärin Monika Jankovska sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft.

Seit dem Mord an Kuciak und seiner Verlobten im Februar 2018 ermittelt die slowakische Polizei gegen korrupte Netzwerke in der Justiz und ihren eigenen Reihen. Der als Mord-Auftraggeber angeklagte Millionär Marian Kocner soll systematisch Richter und Staatsanwälte bestochen haben, um sich Freisprüche in Betrugsskandalen zu erkaufen. Kuciak hatte auch über andere Korruptionsfälle berichtet. Seine Ermordung löste Massendemonstrationen aus.

Der seit März regierende konservative Ministerpräsident Igor Matovic begrüßte die Polizeiaktion als Schlag gegen korrupte Netzwerke der sozialdemokratisch geführten Vorgängerregierungen. Der sozialdemokratische Ex-Regierungschef Peter Pellegrini wies hingegen darauf hin, dass er den Rücktritt des ehemaligen Polizeichefs veranlasst habe.


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