Trump sieht sich durch „illegale Stimmen“ um Sieg gebracht

Der republikanische Amtsinhaber Donald Trump sieht sich von den Demokraten um seinen Wahlsieg gebracht. „Wenn man die legalen Stimmen zählt, würde ich locker gewinnen“, sagte Trump am Donnerstagabend im Weißen Haus in Anspielung auf die sich verdüsternden Aussichten auf seine Wiederwahl. Er bekräftigte den Vorwurf, dass die Demokraten „die Wahl stehlen wollen“. Der Secret Service entsendet indes zusätzliche Mitarbeiter zum Schutz des demokratischen Kandidaten Joe Biden.

In einem erratischen Vortrag zählte Trump seine Erfolge bei der Präsidentenwahl auf und verwies auf sein Abschneiden in Florida und Ohio. Er beklagte, dass seine ursprüngliche Führung in mehreren Staaten „heruntergedrückt“ worden sei und äußerte die Befürchtung, dass er auch im umkämpften Staat Georgia letztlich „ein bisschen zurückliegen“ könnte. Dagegen sei er in Arizona - wo er offenbar nichts an der Fortsetzung der Auszählung auszusetzen hat - „auf dem Weg zum Sieg“.

Trump betonte, dass er „die Integrität dieser Wahl schützen“ wolle. Ohne jeglichen Beweis bekräftigte der Amtsinhaber, dass die Wahl manipuliert und gestohlen worden sei. Er erhob lediglich pauschale Vorwürfe, wonach massiv auf Briefwahl gesetzt worden sei und dann auch Stimmen „ohne Stempel und Unterschrift“ akzeptiert worden seien. Er wolle eine „ehrliche Auszählung“, so Trump, der neuerlich eine Entscheidung „vor dem höchsten Gericht des Landes“ in Aussicht stellte.

Es war der erste öffentliche Auftritt des US-Präsidenten seit eineinhalb Tagen. In der Wahlnacht hatte er sich in einem umstrittenen Auftritt faktisch zum Wahlsieger erklärt, nachdem auf Urnenstimmen beruhende Zwischenergebnisse ihn in mehreren umkämpften Staaten in Führung zeigten. Durch die Auszählung von Briefwahlstimmen wurde das Rennen aber unter anderem in den wichtigen Staaten Georgia und Pennsylvania enger, während Biden die Staaten Wisconsin und Michigan drehen konnte. Alle diese Staaten hatte Trump vor vier Jahren gewonnen.

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Der republikanische Amtsinhaber hatte in Tweets mehrmals den Stopp der Auszählung gefordert und auch Klagen eingereicht. Experten sehen diese Klagen aber als unbegründet an, auch Parteifreunde gingen deutlich auf Distanz zum Präsidenten. Entsprechend zeigte sich der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat Rick Santorum in einer ersten Reaktion „enttäuscht“ vom Statement des Präsidenten und bekräftigte das Recht demokratischer Wähler, dass ihre Briefwahlstimmen gezählt werden. „Kein gewählter Republikaner wird sich hinter diese Aussage stellen“, betonte Santorum im Fernsehsender CNN.

Trumps Sohn Eric hatte sich zuvor in einem Tweet frustriert über die mangelnde Unterstützung der Republikaner für den Präsidenten gezeigt. „Wo sind die Republikaner! Habt doch ein bisschen Rückgrat. Kämpft gegen diesen Betrug. Unser Wähler werden nie vergessen, dass ihr euch wie Schafe verhaltet“, schrieb Eric Trump. Sein Bruder Don hatte den Amtsinhaber zuvor zu einem „totalen Krieg“ im Kampf um die Präsidentenwahl aufgefordert.

Dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Biden fehlte indes nur noch ein Staat auf die erforderlichen 270 Wahlmännerstimmen für einen Sieg. In einem Statement rief er seine Anhänger zur Besonnenheit auf. „Die Demokratie ist manchmal chaotisch. Sie erfordert manchmal auch ein bisschen Geduld“, sagte er. Zugleich bekräftigte er seine Überzeugung, dass er nach Auszählung aller Stimmen der Sieger sein werde. „Deswegen bitte ich alle, die Ruhe zu bewahren“, sagte Biden. „Der Ablauf funktioniert, das Auszählen wird zu Ende gebracht.“ Jede Stimme müsse gezählt werden, betonte Biden. Man werde das Ergebnis der Wahl „sehr bald“ kennen.

Biden hält sich mindestens noch einen weiteren Tag in der Stadt Wilmington im US-Staat Delaware auf und wird laut „Washington Post“ möglicherweise bereits am Freitag eine große Rede halten. Dies habe Bidens Wahlkampfteam der Behörde mitgeteilt. Dem Bericht zufolge sind bereits Dutzende Mitarbeiter des Secret Service im Kongresszentrum Chase Center im Einsatz, wo sich Biden mit seinem Team einquartiert hat.

Biden lag in Georgia lag nach Fortsetzung der Auszählung in demokratischen Hochburgen rund um die Metropolen Atlanta und Savannah am Donnerstagnachmittag nur noch 3.000 Stimmen hinter Trump, in Pennsylvania schrumpfte der Rückstand auf 63.000 Stimmen. Die Staatssekretärin von Pennsylvania, Kathy Boockvar, sagte, dass noch mehrere hunderttausend Stimmen zu zählen seien. Die überwiegende Mehrheit dieser Stimmen werde aber bis Freitag gezählt sein. Mit Blick auf die Trump-Vorwürfe sagte sie, dass die Zahl nach Wahlschluss eingelangter Stimmen „wesentlich geringer“ sei als erwartet. Von aktuellen Betrugsvorwürfen wisse sie nichts.

In den westlichen Staaten Nevada und Arizona lag Biden weiterhin in Führung. Arizona hatte die Nachrichtenagentur AP dem Demokraten bereits in der Wahlnacht zugesprochen, was das Trump-Lager scharf kritisierte. Durch die Auszählung weiterer Stimmen verringerte sich zwar Bidens Vorsprung, aber nicht so dramatisch Trumps Führung in anderen Swing States. Die Auszählung könnte sich dort noch bis ins Wochenende ziehen, berichtete der Fernsehsender CNN. In Nevada konnte Biden durch die Auszählung zulegen.


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