28-jähriger Holocaust-Leugner zu einem Jahr verurteilt

28-jähriger Tiroler stellte die KZ Mauthausen und Auschwitz als Erfindung hin. Das Urteil lautete ein Jahr bedingt und eine Geldstrafe.

(Symbolfoto)
© APA

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Die Leugnung des Holocausts. Eigentlich möchte man meinen, dass es so etwas heutzutage gar nicht mehr geben kann. Ein an sich noch junger – 28-jähriger – Tiroler bewies 2018 und 2019 jedoch, dass derlei Gedankengut noch immer nicht ganz ausgestorben ist. So hatte der Beschäftigungslose über sein Google-Konto die Kartendarstellungen der Konzentrationslager Mauthausen und Auschwitz mit Kommentaren wie „Sehr schön, aber leider nur erfunden!“ versehen und jeweils mit einem Stern bewertet. Dass dies kein geschmackloser Online-Scherz war, zeigte darauf eine Hausdurchsuchung durch den Verfassungsschutz auf. Trotz bestehenden Waffenverbots fanden die Beamten des Innenministeriums in der Wohnung und im Pkw des Mannes Waffen. In Auto und Wohnung machten zudem USB-Sticks die Musik. Zu hören beispielsweise Rechtsrockbands, wie Landser oder G. und die braunen Stadtmusikanten.

Die Lebensgefährtin des Mannes hatte im Schlafzimmer zudem immer eine ganz spezielle Glasvitrine im Blick. Darin ausgestellt etwa Zeugnisse der Deutschen Volksschule mit Reichsadler und Hakenkreuz.

Beim folgenden NS-Wiederbetätigungsprozess vor einem Innsbrucker Schwurgericht bestand so für Staatsanwältin Veronika Breit­huber nicht mehr der geringste Zweifel an der Gesinnung des Angeklagten.

Dieser hatte erst noch vor der Polizei versucht, das belegte Leugnen des Holocausts einem Bekannten in die Schuhe zu schieben. Dafür stellte der 28-Jährige diesen als Neonazi hin und verleumdete ihn, eigentlicher Urheber der Google-Einträge zu sein. Pech für den zu Unrecht beschuldigten Tiroler: Die nachfolgende Hausdurchsuchung brachte zwar keine NS-Devotionalien zu Tage, dafür aber gebunkertes Suchtgift.

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Der 28-Jährige verantwortete sein Treiben mit psychischer Instabilität. Die Belastung des Bekannten sei eine Kurzschlussreaktion gewesen. Staatsanwältin Breithuber (NS-Sonderzuständigkeit) plädierte auf klare Verurteilungen zu allen Punkten der Anklage. Die Geschworenen folgten ihr einstimmig: Ein Jahr bedingte Haft plus 1440 Euro Geldstrafe ergingen. Der verwendete PC wurde zudem konfisziert.


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