Das Protokoll der Terrornacht in Wien: Polizei veröffentlichte Details

Der Attentäter von Wien tötete vier Menschen, 22 Personen wurden verletzt. Die Polizei veröffentlicht die Details der neun Minuten vom ersten Notruf bis zum Tod des Täters.

1000 Polizisten waren am Montagabend in Wien im Einsatz zur Terrorbekämpfung. Das Sturmgewehr „Zastava m70“ des Täters auf einem Polizeifoto. Revierinspektor Christian H. hatte Dienst am Notruf.
© APA

Wien – „Schüsse in der Seitenstettengasse“: Das war der Inhalt des ersten Notrufs, der am vergangenen Montag um exakt 20 Uhr und 48 Sekunden bei der Wiener Polizei einging. Weitere Meldungen folgten im Sekundentakt. „Uns war schnell klar, dass wir uns in Richtung Ausnahmezustand bewegen“, berichtet Christian H., einer der Polizisten, die an diesem Abend am Notruf Dienst hatten. Acht Minuten und 54 Sekunden später meldeten Beamte am Polizeifunk, dass sie den Täter „angehalten“ hatten. Der Terrorist war tot – und mit ihm vier unschuldige Opfer, die den Anschlag nicht überlebten. 22 Menschen erlitten Verletzungen.

Eine Woche nach dem blutigen Anschlag in der Wiener Innenstadt veröffentlicht die Polizei Details zu den Abläufen und zum Einsatz.

Das Sturmgewehr „Zastava m70“ des Täters auf einem Polizeifoto.
© LPD WIEN

Bis 21 Uhr folgten 539 weitere Meldungen am Polizei­notruf – am Tag davor waren es im selben Zeitraum 104 Anrufe. Bis 21.30 musste die Polizei in verschiedenen Bezirken der Bundeshauptstadt zu 15 Einsätzen ausrücken, um Meldungen zu überprüfen. Zum Glück jedes Mal falscher Alarm. Dennoch waren jedes Mal Kapazitäten gebunden.

Sechs Beamte machten zur Zeit des ersten Anrufs am Notruf Dienst. Anzeigen von Schüssen gehören für sie zum Alltag. Meist handelt es sich um Falschmeldungen, oft um Knallkörper. Die Häufung der Berichte am Montagabend machte aber schnell klar, dass es sich um einen Ernstfall handelte.

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„Im Chaos der ersten Minuten ist es am schwersten, aber gleichzeitig am wichtigsten, den Überblick zu bewahren. Bei Hunderten Notrufen, Dutzenden Streifeneinheiten und sekündlich veränderten Informationen ist das natürlich ein absoluter Ausnahmezustand“, erinnerte sich Revier­inspektor Christian H.

Revierinspektor Christian H. hatte Dienst am Notruf.
© BMI

Um 20:01:10 Uhr, 22 Sekunden nach dem ersten Notruf, erhielt der Einsatz die Priorität eins. Kurz darauf meldete ein Bürger am Notruf einen Schusswechsel mit Schrotflinte am Schwedenplatz. Eine Minute später waren 15 Streifen am Weg zum Tatort. Darunter waren auch schon Angehörige der Spezialeinheit WEGA. Angehörige dieser Truppe waren am Montag in acht Fahrzeugen regulär im Streifendienst unterwegs.

Um 20:03:21 Uhr hatten Polizisten den ersten Kontakt mit dem 20-jährigen Täter – als noch nicht klar war, dass es sich dabei um einen Terroranschlag handelte. Vor einer Bar in der Seitenstettengasse sichteten zwei Beamte der Polizeiinspektion Laurenzerberg den Täter und griffen ein. Es kam zum ersten Schusswechsel. Hierbei wurde ein 28-jähriger Polizist schwer verletzt. „Kollege getroffen“, hieß es um 20:04:48 Uhr am Funk.

Beinahe zeitgleich mit dem Erstkontakt mit dem Täter – um 20:03:22 Uhr – fand ein Beamter die erste verletzte Person. Um 20:05:12 Uhr lag eine erste Täterbeschreibung vor: Zeugen berichteten davon, dass der Terrorist eine schwarze Kapuzenjacke trug, was sich später als falsch herausstellte. Immer wieder wurden sehr unterschiedliche und widersprüchliche Wahrnehmungen angegeben.

Um 20:05:30 Uhr wurde erstmals gemeldet, dass der Täter mit einer automatischen Waffe schoss. Spätestens jetzt war klar, dass es sich um eine absolute Ausnahmesituation, eine so genannte Sonderlage, handelte. Um 20:06:43 Uhr ging die erste Meldung über eine schwerverletzte Person ein.

Um 20:07:41 Uhr folgte der nächste Schusswechsel mit der Polizei, im Bereich Morzinplatz. Beinahe zeitgleich traf der Polizeihubschrauber ein. Um 20:08:31 Uhr wurde der Täter bei der Ruprechtskirche gesichtet, zeitgleich wurden weitere Schüsse gemeldet. Um 20:09:42 Uhr kam am Funk die Meldung „Anhaltung eines Täters mit STG 77 (Sturmgewehr 77, Anm.)“. Der Terrorist war tot.

Unzählige weitere Einsätze folgten. Aus verschiedenen Stellen kamen Alarmmeldungen herein – alle falsch.

Insgesamt waren in der Terrornacht rund 1000 Polizisten im Einsatz. Rund 550 Personen versehen in einer normalen Nacht Dienst. 150 Beamtinnen und Beamte hatten sich freiwillig in den Dienst gestellt, um ihren Kollegen zu helfen. (APA, TT)


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