Existenzangst bei Drittel der österreichischen Hoteliers

Einen Lockdown über den Winter würde ein großer Teil der heimischen Tourismusbetriebe nicht überstehen, zeigt eine Branchen-Umfrage.

  • Artikel
  • Diskussion
Existenzangst bei Drittel der österreichischen Hoteliers.
© APA

Wien, Innsbruck – Die Coronavirus-­Pandemie schürt bei vielen Tourismusunternehmen Existenzängste. Die Stimmung ist vor der Wintersaison massiv getrübt, wie die Branchenstudie „Tourismusbarometer 2020“ des Beratungsunternehmens Deloitte und der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) verdeutlicht.

Die Grundstimmung ist der Erhebung zufolge im Keller – der Tourismusindex ist, basierend auf dem Schulnotensystem, von 2,88 auf 3,61 gesunken. Vor allem in den Städten befürchten 94 Prozent der Touristiker weitere massiv­e Umsatzrückgänge. Generell erwarten mehr als 75 Prozent der 400 im September befragten Betriebe bis Sommer 2021 eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage.

Die Sommersaison verlief äußerst uneinheitlich. Für mehr als die Hälfte (56 Prozent) der städtischen Touristiker war die Saison sogar schlechter als erwartet. Hingegen wurden die Erwartungen der Betriebe am Land in 70 Prozent der Fälle übertroffen.

„Die schlechte Stimmung in den Städten spiegelt sich im Blick auf die Wintersaison wider: 94 Prozent der Stadtbetriebe fürchten weitere Umsatzrückgänge von über 20 Prozent im Vergleich zum vorigen Winter, viele sogar einen Totalausfall“, verdeutlicht Andreas Kapferer, Deloitte-Partner in Tirol. Außerhalb der Städte teilten diese Sorge 53 Prozent.

TT-ePaper gratis lesen und ein E-Bike gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen. Der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Die Corona-Krise hat auch das Handeln der Betriebe verändert. „Zwei Drittel der Betriebe versuchen darauf mit einer Änderung des Angebots zu reagieren. Das reicht von neuen Buchungsbedingungen wie kürzeren Stornofristen über neue Zusatzangebote bis hin zur Schließung von Saun­a- oder Fitnessbereichen“, berichtet ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer. Dennoch blieben die Existenzängste: Sollte der aktuelle Lockdown auf über drei Monate verlängert werden, würde dies laut Umfrage das Ende für mindestens ein Drittel der befragten Tourismusbetriebe bedeuten.

Umso mehr sind die Betrieb­e auf staatliche Hilfen angewiesen. 87 Prozent haben bereits Kurzarbeit in Anspruch genommen, 48 Prozent den Fixkostenzuschuss I und 41 Prozent Überbrückungsfinanzierungen oder Garantien. 12 Prozent mussten den Härtefallfonds anzapfen. Auch im aktuellen Lockdown seien die finanziellen Hilfen unumgänglich, meint Kapferer. Der von der Regierung in Aussicht gestellte Umsatzersatz für November sei „ein wichtiger erster Schritt“. Mittelfristig brauche es aber „weitere Zuschüsse zur Abfederung der Krise“.

Viele Betriebe haben angesichts der Umsatzausfälle Investitionen aufgeschoben. Allerdings wurde die Investitionsprämie der Regierung bereits von einem Fünftel (18 Prozent) in Anspruch genommen, 41 Prozent haben das noch vor. Auch bei der Verfügbarkeit von Mitarbeitern habe sich die Lage verändert. Im September suchte die Hälfte der Betriebe nach Fachkräften, im Vorjahr waren es noch drei Viertel gewesen. Die Unsicherheit für die nächsten Monate erschwere die Personalplanung massiv. „Die Lage ist prekär“, so Reitterer. „Jetzt braucht es einen langfristigen Schutzschirm, um möglichst viele Betriebe und Mitarbeiter über die nächsten Monate zu bringen.“ (ecke, APA)


Kommentieren


Schlagworte