Innsbrucker Illustrator Jakob Winkler: Ein Zeichner will ein Zeichen setzen

Aufs Papier hat Jakob Winkler eine bessere Zukunft schon gebracht. Nun will er sie mit einer Klingeldemo einläuten.

Vom Künstler zum Klima-Aktivisten: Der Illustrator Jakob Winkler macht sich für die Umsetzung des Innsbrucker Rad-Masterplans stark.
© Michael Kristen

Innsbruck – Er liebe das weiße Blatt Papier, sagt der Innsbrucker Illustrator Jakob Winkler. Auf einem leeren Blatt sei alles möglich. Auch das, was man in der echten Welt vorschnell als unmöglich abtut. Und manchmal kann eine Zeichnung der erste Schritt sein, um auch das vermeintlich Unmögliche möglich zu machen. Oder der zweite. Denn davor, sagt Winkler, muss das, was derzeit passiert, verstanden werden. Und auch daran arbeitet Winkler mit Bleistift, Farbe und Fineliner.

Der 38-jährige Innsbrucker hat sich mit seinem „Büro für Zeitreisen“ auf das spezialisiert, was man auf Neudeutsch „Knowledge Transfer“ nennt, die Vermittlung von Wissen also. Winkler arbeitet mit renommierten Universitäten und Hochschulen, etwa der ETH Zürich, sowie verschiedenen Nichtregierungsorganisationen zusammen, sucht und findet anschauliche Bilder für bisweilen graue Studienergebnisse – und formt daraus seine eigenen Visionen für eine zukunftsträchtigere Welt. Denn es sei klar, dass „unsere Gegenwart keine Zukunft hat“, sagt Winkler. Angesichts des menschengemachten Klimawandels könne man nicht mehr weitermachen wie bisher.

Wimmelsachbuch zum Thema Erdöl

Schon in seinem Wimmel­sachbuch „Fatimas fantastische Reise in eine Welt ohne Erdöl“ hat Winkler die zerstörerische Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen beklagt – und Alternativen aufgezeichnet. Erfinden musste er die nicht. Selbst Details seiner Zeichnungen alternativer Energiegewinnung sind wissenschaftlich fundiert. Zehn Jahre lang hat Winkler für das Buch recherchiert.

Sein Anschlussprojekt „Ein Plan für Innsbruck“ holte die globalen Überlegungen ins Lokale. „Den einen Plan gegen die Klimakatastrophe gibt es nicht. Es gibt viele kleine, die sich an den jeweiligen Gegebenheiten orientierten“, sagt er. Für Innsbruck entwarf Winkler nicht nur autofreie Zonen, sondern dachte den Individualverkehr in und um die Landeshauptstadt neu, skizzierte etwa eine Stadtseilbahn. Im September war ein großformatiger Druck von Winklers Blick in eine mögliche Mobilitätszukunft auf dem Innsbrucker Marktplatz zu sehen. Ab nächstem Montag steht die Installation auf dem Sparkassenplatz.

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Gewissermaßen als Einstimmung für Winklers jüngstes Projekt, das derzeit auch auf Innsbrucks Plakatwänden großflächig angekündigt wird – und mit dem der Illustrator sein Engagement für das Machbare vollends vom Zeichentisch auf die Straße bringen will. Für Donnerstag, 19. November, 12.30 Uhr, hat Winkler eine Klingeldemo vor der Innsbrucker Messe organisiert. Drinnen tagt dann der Innsbrucker Gemeinderat und entscheidet unter anderem, ob und wie der so genannte „Masterplan Rad“ umgesetzt wird. Die Entscheidungsfindung will Winkler lautstark begleiten und mit „zehn Minuten Fahrradklingel-Klingeln die Zukunft einläuten“. Zahlreiche Vereine, darunter auch die Tiroler Kulturinitiativen, unterstützen die „Demo für bessere Luft und weniger Lärm“. „Natürlich ist es skurril, in Zeiten einer Pandemie zu einer Demonstration aufzurufen“, sagt Winkler, „aber wir werden Maske tragen und mindestens einen Drahtesel Abstand halten“. (jole)


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