Auszeichnungen für "Neues Bauen": Innovative neue Raumwelten

Ganz ohne Publikum im Corona-freien virtuellen Raum wurden gestern die alle zwei Jahre verliehenen „Auszeichnungen des Landes Tirol für Neues Bauen“ vergeben.

Swarovksi-Manufaktur in Wattens, geplant als multifunktionales Hybrid von Snohetta.
© David Schreyer

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Die Verleihung der „Auszeichnungen des Landes Tirol für Neues Bauen“ im Innsbrucker aut war in der Vergangenheit immer ein großes Fest für die heimische Architektur, für ihre Kreativität und Strahlkraft, nicht zuletzt für ihr innovatives Potenzial. Nicht so diesmal. Wo sogar die auf zwei Personen pro ausgezeichnetem Projekt beschränkte Preisvergabe abgeblasen werden musste, verlegt in das jedenfalls Coronaviren gegenüber absolut immune Internet. Da das aut wie alle institutionellen Kulturräume derzeit geschlossen ist, heißt es auch warten auf die bereits aufgebaute Ausstellung sämtlicher zum Preis eingereichter Projekte. Die zu sehen sein wird, sobald der kulturelle Lockdown ein Ende hat, also frühestens im Dezember.

Die aus Marta Schreieck (Henke Schreieck Architekten, Wien), Peter Haimerl (München) und Anne-Julchen Bernhardt (RWTH Aachen) bestehende Jury hatte die Qual der Wahl, aus 75 eingereichten bzw. 18 nominierten Projekten nach einer „für mich exotischen, erkenntnisreichen Reise durch Tirol“ (Bernhardt) drei davon für „Auszeichnungen“, sechs für „Anerkennungen“ und vier für „lobende Erwähnungen“ vorzuschlagen. Für für die Jury überraschend in ihrer Konsequenz umgesetzte, ganz in der Gegenwart verortete Bauwerke.

Eine transparente neue Fassade hat das Studio LOIS der seit den 1930er-Jahren immer wieder umgebauten Schule Kettenbrücke in Innsbruck verpasst.
© David Schreyer

Wobei auffällt, dass sich die Jury offensichtlich speziell für Architekturen begeistern konnte, in denen es um innovative Räume für Bildung und neue Arbeitswelten geht. Wie die vom Snohetta Studio Innsbruck entworfene Swarovski-Manufaktur in Wattens, ein von Licht durchfluteter und um ein riesiges, multifunktional bespielbares „Möbel“ zentrierter Raum, der genauso Werkstatt wie Ort der Repräsentation, Café wie Büro ist.

Ebenfalls „Auszeichnungen“ gab es für zwei Schulen, die – trotz ihrer Heterogenität – beispielhaft für zukünftige Bildungs- wie Raumwelten sein könnten. Wie der von fasch&fuchs.architekten geplante Schulcampus Neustift, der sich kaskadenartig über einem abfallenden Hang ausbreitet, wobei die einzelnen, zwischen zwei Kopfgebäuden sich entwickelnden Baukörper durch einen teilweise eingehausten, teilweise oberirdisch geführten „Schulweg“ miteinander verbunden sind.

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Fünf Schulen, die zwar kein gemeinsames Dach, aber einen gemeinsamen „Schulweg“ haben: der von fasch&fuchs.architekten geplante Schulcampus Neustift.
© Hertha Hurnaus

Die Aufgabe, die sich für das Studio LOIS bei der Sanierung der Schule Kettenbrücke in Innsbruck gestellt hat, war dagegen komplett anders. Geht es hier doch um ein Gebäude, das seit den 1930er-Jahren immer wieder um- bzw. weitergebaut worden ist, zuletzt vor 50 Jahren. Die aktuelle Umformung ist ebenso radikal wie sensibel, der Umgang mit dem Bestand sei sehr souverän angesichts seiner präzisen Lässigkeit, befindet die Jury.

Mit der von Hans Peter Gruber und Thomas Sigl geplanten Martinsbrücke bei Zirl und der Kaunertaler Falginjochbahn von Baumschlager Hutter Partner gab es für zwei Projekte abseits klassischer Architekturen „Anerkennungen“. Genauso wie für das Naturparkhaus Längenfeld (Hanno Schlögl), das Haus für psychosoziale Begleitung und Wohnen in Innsbruck (Fügenschuh Hrdlovics Architekten), die Tourismusinformation für Innsbruck und seine Feriendörfer (Betina Hanel und Manfred Sandner) sowie das Schulzentrum Hall in Tirol (fasch&fuchs.architekten).

Über „lobende Erwähnungen“ dürfen sich Todorka Iliova und Raimund Wulz für ihre Gestaltung des Dorfzentrums Patsch, LAAC für das Pema 2/Stadtbibliothek Innsbruck, Madritsch/Pfurtscheller für das OFFICE.P. in Fulpmes und Sebastian Eder für seinen Umbau eines Bergbauernhofs in Kirchbichl freuen.

Seit 1996 zeichnet das Land Tirol alle zwei Jahre gemeinsam mit der Kammer der ZiviltechnikerInnen | Arch+Ing Tirol und Vorarlberg, der ZV – Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs, Landesverband Tirol, und aut. architektur und tirol vorbildliche Bauten in Tirol aus.


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