Todeslenker holte frühere Raserei ein: Ein Jahr Haft

Aufgrund von Verkehrsvorstrafen verhängte das Oberlandesgericht für den tödlichen Unfall am Langen Weg im Februar ein Jahr unbedingte anstatt nur bedingter Haft.

Mit 90 km/h und abgefahrenen Reifen war ein 20-Jähriger im Februar gegen die Ampel geschleudert. Der Beifahrer verstarb.
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Von Reinhard Fellner

Innsbruck – An einem Sonntagnachmittag im Februa­r hatte die Spritztour eines 20-jährigen Serben und seines 28-jährigen Beifahrers für Letzteren tödlich geendet. Am Innsbrucker Langen Weg hatte der 20-Jährige zuvor seinen angejahrten PS-Boliden trotz Nässe und völlig abgefahrener Reifen vehement beschleunigt. Dadurch war der Wagen unmittelbar mit dem Heck ausgebrochen und mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h mit der Beifahrerseite voran direkt an eine Ampel geprallt. Der alte Wagen hatte sich dabei förmlich um den Mast gewickelt – der Beifahrer verstarb noch an der Unfallstelle.

Noch an der Unfallstelle sah die Polizei, dass an der Hinterachse des Unfallfahrzeugs Sommerreifen montiert waren. Trotz aller Umstände verlief das erstinstanzliche Strafverfahren rund um grob fahrlässige Tötung für den noch jungen Führerschein­neuling aber glimpflich: Ein Jahr Haft waren am Landesgericht zur Gänze bedingt ergangen. Diese Sanktion erschien wiederum der Staatsanwaltschaft zu gelinde. Und so ging es nach Berufung gestern ans Oberlandesgericht (OLG).

Notorischer Raser

Oberstaatsanwalt Boris Kuznik forderte eine zumindest teils spürbare Strafe. Anwalt Adolph Platzgummer äußerte für den Vater des Verstorbenen, dass die zur Gänze bedingte Strafe für die Hinterbliebenen ein Schock gewesen sei.

OLG-Senatsvorsitzender Ernst Werus hatte zur gestrigen Verhandlung extra alle Verwaltungsvorstrafen ausgehoben. Schlecht für den nunmehr führerscheinlosen Paketfahrer. Das Anzeigenbündel stempelte den nun 21-Jährigen nämlich zum notorischen Raser. Noch bei einer L17-Ausfahrt war er anstatt mit 50 km/h mit 120 Sachen geblitzt worden. Übertretungen mit 35 und 14 km/h folgten. Später wurden bereits am Unfallfahrzeug nicht genehmigte Änderungen entdeckt. Zuletzt war der 20-Jährige auch schon wegen derselben abgefahrenen Reifen abgestraft worden.

Für das OLG lag da kein tadelloses Vorleben mehr vor. Und so blieb es zwar bei einem Jahr Haft – dieses wurde aufgrund der Verwaltungsvorstrafen nun aber zur Gänze unbedingt, anstatt zuvor bedingt, ausgesprochen.


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