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Drei Tirolerinnen im Cosplay: Mit Nähmaschine und Heißluftföhn zur Heldin

Eigentlich sind die Unterländlerinnen Carmen Bichler, Barbara Freisinger und Simone Hotz in bodenständigen Brotberufen tätig. Als Cosplayerinnen werden sie aber zu mächtigen Kriegerinnen. Abtauchen in eine bunte Welt aus Handwerk, Kreativität und Herzblut.

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Heldinnen aus Japan. Barbara Freisinger, Carmen Bichler und Simone Hotz (v. l.) erwecken als Cosplayerinnen Manga- und Anime-Figuren zum Leben.
© privat

Von Jasmine Hrdina

Ein Alter Ego schlummert wohl in jedem von uns. Wenn diese drei Tirolerinnen aber in andere Rollen schlüpfen, sind sie optisch kaum wiederzuerkennen: Carmen Bichler, Barbara Freisinger und Simone Hotz sind so genannte Cosplayerinnen, frei übersetzt: kostümierte Spieler. Gemimt werden Charaktere aus der Manga-, Anime-Szene. Jene Art von Comicfiguren, die ihren Ursprung im knapp 10.000 Kilometer entfernten Japan haben. Schuluniform trifft auf kurze Röcke, unschuldige Blicke auf mittelalterliche Waffen, die Haare sind in knallige Farben getaucht.

Bichler alias „YoRHa Type A No.2“. Diese Androidin kämpft in ferner Zukunft gegen Maschinenwesen.
© Bichler/ Freisinger

„Mit Fasching hat das nichts zu tun. In den Kostümen steckt viel Zeit und Geld“, stellt Barbara Freisinger klar. „Man ist Schauspieler, schlüpft in die Rolle des Charakters und taucht in eine andere Welt ein“, schildert Carmen Bichler. „Und man kann sich kreativ sowie handwerklich austoben.“

Die Kostüme sind handgefertigt und auf Basis von Comics und Videospielen selbst entworfen. Die Schränke der drei Unterländerinnen sind voll damit, bis zu 300 Stunden Arbeit stecken in einzelnen Stücken. „Als Schülerin habe ich natürlich mit güns­tigen Materialien gearbeitet und maximal 500 Euro ausgegeben“, erinnert sich Simone Hotz. Heute gönnt sich die 26-jährige Mechatronikerin hochwertige Stoffe und Teile.

Zuletzt ließ sie sich eine Perücke um 300 Euro anfertigen. Die 27-jährige Lehrerin Bichler atmet tief durch: Mehrere tausend Euro saugte ihr Hobby wie ein Staubsauger in den vergangenen zwei Jahren auf. Neben dem Material braucht es nämlich teures Werkzeug, das nicht jeder im Keller hat. Viele der Waffen und Rüstungen – in den unschuldig aussehenden Manga-Mädchen schlummern für gewöhnlich mächtige Kriegerinnen – werden aus thermoplastischem Kunststoff gefertigt. Ein Heißluftföhn bringt die Einzelteile in Form.


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