Disput um Operette und Kaisertal im Kufsteiner Gemeinderat

Die Stadt Kufstein verlängert den Vertrag mit dem Operettensommer. Die Stadtwerke bauten einen Weg schwarz.

Der Vertrag mit der Operettensommer Veranstaltungs GmbH soll um sieben Jahre verlängert werden. Auf „Die Fledermaus“ von 2019 hätte heuer das Musical „Evita“ folgen sollen. Bei der Corona-bedingten Verschiebung kommt die Gemeinde mit bis zu 200.000 Euro zum Handkuss.
© Thomas Boehm / TT

Kufstein – Großen Diskussionsbedarf hatten die Kufsteiner Mandatare am Mittwochabend bei der Gemeinderatssitzung. Die Finanzierung des Operettensommers spaltete das Gremium ebenso wie der Bau eines Weges im Kaisertal.

Steht die Stadt Kufstein noch hinter dem Operettensommer? Der Vertrag für die Musical-Aufführungen auf der Festung soll nach dem jüngsten Gemeinderatsbeschluss jedenfalls für sieben Jahre verlängert werden. GR Richard Salzburger (Team Hannes Rauch/VP) und Harald Acherer (Parteifreie) warnten davor, dass sich die Gemeinde für einen so langen Zeitraum finanziell verpflichtet und orteten eine Taktik des Veranstalters, das Risiko für Ausfälle so auf die Allgemeinheit abwälzen zu wollen.

Die Operettensommer Veranstaltungs GmbH müsse liquid bleiben, erklärte Bürgermeister Martin Kurmschnabel (Parteifreie). Man brauche Planungssicherheit für viele Jahre, um sich die Rechte für beliebte Stücke sichern zu können. Spoiler: Man fasst die Musicals „Mamma Mia!“ und „Ich war noch niemals in New York“ ins Auge.

Keine "überzeugenden Vorschläge"

Das Offene Grüne Forum (OGF) und GR Birgit Obermüller forderten die Prüfung von Alternativen zur „Hochkultur“ Operette. Man habe das „etliche Male versucht“, konterte Krumschnabel, „überzeugende Vorschläge“ habe es nie gegeben.

210.000 Euro investiert die Stadt jährlich in das Spektakel, die Corona-bedingte Verschiebung des Musicals „Evita“ vom heurigen Sommer auf 2021 könnte sie zusätzlich bis zu 200.000 Euro kosten. Dazu fließen 25.000 Euro für Mehrkosten („Musical ist teurer als Operette“, Krumschnabel).

Die Bauarbeiten am Bödenwaldweg im Kaisertal sind abgeschlossen – könnten aber ein Nachspiel für die Stadtwerke haben. Der Forstweg im Naturschutzgebiet war heuer nach starken Niederschlägen abgerutscht und wurde nun saniert – dabei allerdings um bis zu drei Meter verbreitert. Für eine solch „wesentliche Änderung gilt eine naturschutzrechtliche Bewilligungspflicht“, stellte die Bezirkshauptmannschaft Kufstein nach eingängiger Überprüfung fest.

Bauarbeiten als Sanierung interpretiert

Markus Atzl, Geschäftsführer der Stadtwerke, erklärt, die Wegverbreiterung sei aus technischen Gründen notwendig gewesen. Demnach sei die ausladenste Stelle aber nur um einen bis 1,5 Meter breiter als zuvor. „Wenn notwendig, wird um eine naturschutzrechtliche Bewilligung für die Sanierung des Weges, nach einer Naturkatastrophe, angesucht.“ Im Sommer 2018 kam es bereits nach dem Ausbau des Haselbodenwegs zu einer nachträglichen Bewilligung. Den Stadtwerken wurde damals eine Verwaltungsübertretung zur Last gelegt. Atzl spricht von einem Fehler, man habe die Bauarbeiten als Sanierung interpretiert.

Dass 2019 beim Abriss eines Wirtschaftsgebäudes auf einer Alm 3600 Liter Gülle unsachgerecht in ein Bachbett geleitet worden sind, erklärt Atzl damit, dass der Bauer wohl einen Rest in der Grube zurückgelassen hätte, der sich infolge mit Regenwasser mischte. Die Ableitung ins Grüne vergleicht er mit „einer normalen Düngung auf der Alm“. Der BH Kufstein liegt diesbezüglich keine Anzeige vor. Bei der Gemeinderatssitzung forderten OGF, Gemeinsame Kufsteiner Liste/FPÖ, und GR Obermüller eine lückenlose Aufklärung. (jazz)


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