Renault Twingo Electric: Französische Evolution

Elektromobilität, wo sie wirklich Sinn macht: Der Renault Twingo Electric verknüpft bewährte Kleinstwagen-Talente mit einem emissionslosen Antrieb.

Elektrisch, praktisch, und sehr kompakt: Der Twingo Electric ist tatsächlich noch einmal 40 Zentimeter kürzer als der Zoe und tritt zum Kampfpreis in die E-Arena.
© Renault

Von Stefan Pabeschitz

Wien – Völlig fremd waren sich Twingo und Elektroantrieb ja schon bisher nicht – immerhin lieferte der kleine Franzose die Plattform für die letzte Smart-Baureihe, die zuletzt sogar nur noch strombetrieben unterwegs war. Auf dem Markt versagte die allerdings kläglich, vor allem wegen des hohen Preises und beinahe lächerlicher Reichweiten. Inzwischen bäckt Smart-Partner Mercedes mit einem chinesischen Partner neue E-Brötchen, womit der Weg für Renault wohl auch vertragsrechtlich erst frei wurde, sein eigenes Batterie-Konzept auf Twingo-Beine zu stellen.

Äußerlich bleibt der sympathische Stadtfloh beinahe der alte – bis auf ein paar der üblichen blauen Deko-Elemente, auf die sich die Elektrowelt irgendwie als gemeingültiges Signum geeinigt hat. Die im Boden verbaute 21,4 kWh-Batterie wird flüssigkeitsgekühlt, E-Motor, Getriebe und Leistungsmanagement sind vom aktuellen Zoe abgeleitet. Für den Twingo leistet das Aggregat 82 PS und 160 Newtonmeter Drehmoment – mehr als genug für ein flottes Vorankommen im City-Verkehr, aber auch auf Überland-Passagen. Die angegebenen 12,9 Sekunden für den Hunderter-Sprint fühlen sich real wesentlich flinker an, was dem flotten Antritt des E-Motors zu verdanken ist.

Im WLTP-Schnitt sind 190 Kilometer Reichweite drin, im reinen Stadtbetrieb mit entsprechend hoher Energierückgewinnung kann es sogar fast die Hälfte mehr werden. Bei Testfahrten in und um Wien mit gemischter Anwendung der drei Rekuperationsstufen ergab der ausgewiesene Stromkonsum im Stadtverkehr eine Reichweite von 230 Kilometern, auf den Stadtautobahn-Distanzen von knapp 150 Kilometern – womit die Angaben des Messzyklus auch in der Praxis weitgehend bestätigt werden.

Was die Bedienung angeht, hat Renault die angenehm simple Variante des größeren Zoe übernommen: Mit einem Automatik-Wählhebel, wie auch bei konventionellen Antrieben gewohnt, in Drive-Stellung nach links gedrückt, werden die Rekuperations-Stufen angewählt. In der höchsten ist der Twingo Electric im Ein-Pedal-Modus zu fahren, mit dem Fuß gebremst werden muss hier höchstens noch zum unmittelbaren Anhalten. Die batteriebedingt knapp 1200 Kilo Leergwicht machen sich auf unruhigen Straßenoberflächen ein wenig bemerkbar, weil die Fahrwerksdämmung doch hörbar mit dem Zusatzgewicht zu kämpfen hat. Auf gutem Asphalt gibt es dafür im Gegenzug satteres Handling und solides Fahrgefühl.

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Witzig ist das futuristische Geräusch, das der E-Twingo unter 30 km/h einspielt – ein bisschen zwischen Ur-Enterprise und Mond Basis Alpha 1. Für den Fußgängerschutz wird das mittlerweile vorgeschrieben, wie lange es der Fahrer selbst aushält, muss hingegen erst getestet werden. Das frisch-freundliche Interieur des Vollzeit-Stromers wirkt aber eventuell beruhigend.

Die Einpreisung ab 20.490 Euro macht den Twingo Electric zum derzeit günstigsten E-Modell auf dem Markt, abzüglich staatlicher Förderung und den zusätzlichen Versicherungs- und Finanzierungs-Boni von Renault ergibt sich derzeit gar ein Mitnahmepreis von 14.340 Euro.

Ein genauerer Blick in den Katalog entlarvt die Einstiegsvariante „Life“ allerdings als arg nackten Preislisten-Lockvogel, der ohne Klimaanlage, elektrische Fensterheber oder Radio fast jede Kleinwagen-Kompromissbereitschaft überstrapazieren dürfte. In der für 1500 Euro Aufpreis erhältlichen mittleren Ausstattung „Zen“ sind zumindest diese Basics drin, tatsächlich würdig wird es aber erst in der Top-Variante „Intense“ für noch einmal weitere 1300 Euro. Selbst hier müssen allerdings etwa Navigationssystem oder Sitzheizung extra geordert und bezahlt werden. Im Vergleich zum Mitbewerb bleibt der Twingo Electric aber auch dann immer noch ein preislich zumindest nicht allzu entrückter Beitrag zur E-Mobilität.


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