Von Verkauf des SkiStar-Aktienpakets aus Zeitung erfahren

Beim Tourismusverband, der Miteigentümer der Bergbahnen St. Johann ist, zeigt man sich vollkommen überrascht vom geplanten Verkauf der SkiStar-Mehrheitsanteile.

Seit dem Jahr 2016 hält die schwedische SkiStar 68,38 Prozent an den Bergbahnen St. Johann.
© Stefan Eisend

Von Michael Mader

St. Johann i. T. – Der geplant­e Verkauf des Aktienpakets des schwedischen Skigebietsbetreibers SkiStar, der 68,38 Prozent an den St. Johanner Bergbahnen hält, ist derzeit eines der meistdiskutierten Themen in der Unterländer Gemeinde.

Umso mehr verwundert es den alten und auch neuen Obmann des Tourismusverbands St. Johann, Josef Grander, dass bei der Vollversammlung am Donnerstag keine einzige Frage dazu aufgetaucht ist. „Ich habe extra zweimal nachgefragt, ob wirklich keiner etwas für den allgemeinen Teil hat“, erklärt Grander am nächsten Tag im Gespräch mit der TT. Noch dazu halten der Tourismusverband und die Marktgemeinde St. Johann ebenfalls Anteile an den Bergbahnen.

Gewusst hätte Grander aber ohnedies nichts: „Der Verkauf wird sicher ein Thema werden. Ich habe aber keine Ahnung, wie es weitergeht. Wir haben selbst erst aus der Zeitung davon erfahren. Das hat mich schon gestört und auch verwundert.“

Die Leute würden ja oft nicht glauben, dass der Tourismusverband hier bei gewissen Dingen ahnungslos sei. Grander vermutet auch, dass der TVB nicht mitreden dürfen wird, wenn es darum geht, wer künftig die Mehrheitsanteile an den Bergbahnen in St. Johann hält.

Ebenfalls nicht so rosig sieht es in der Region naturgemäß bei den Nächtigungen aus, wie TVB-Geschäftsführer Gernot Riedel der Vollversammlung berichtete: „Auch wenn es in Teilbereichen nicht ganz so schlimm war wie befürchtet. Sehr viele Betriebe wären bis zum Lockdown heuer sehr gut unterwegs gewesen.“ Mittlerweil­e steht aber fest: Im Winter gab es bei den Nächtigungen ein Minus von 12 Prozent, im Sommer ein Minus von 35 Prozent. Das Gesamtjahr liegt derzeit bei minus 23 Prozent.

„Uns ist es jetzt wichtig, positive Botschaften zu vermitteln. Deutschland ist der größte Hoffnungsmarkt“, sagt­e Riedel, der die Betriebe aber vor unnötigen Rabatt­aktionen warnte. Den Gästen müsste jetzt Sicherheit und möglichst viel an Information vermittelt werden. Das wär­e unter anderem die Empfehlung des TVB für Storno­bedingungen. Das und einige andere Handlungsempfehlungen sind zum Beispiel auf der Homepage des Tourismusverbands abrufbar. Die Reiselust wäre definitiv vorhanden und man wäre für einen Neustart gerüstet.

Trotzdem gab Obmann Grander den anwesenden Mitgliedern einen kurzen Ausblick auf die Zukunft. So sollen unter anderem vorhandene Plattformen an der Großache neu konzipiert und damit aufgewertet werden. Gespräche mit dem Baubezirksamt, den Gemeinden und dem Land würden bereits stattfinden. Bereits in Ausarbeitung befindet sich die Gestaltung des Stausees in Kirchdorf. „Der ist ein perfektes Naherholungsgebiet für die ganze Region. Der zeitliche Horizont liegt bei ein bis zwei Jahren, danach erfolgt die Erweiterung im Baukastensystem“, wusste Grander.

Mit dem Ziel, nachhaltige und umweltfreundliche Projekte zu entwickeln, sei man eine von fünf Regionen in Tirol bei CLAR, der Clean Alpin­e Region. Zusammen mit allen Gemeinden und Tourismusverbänden rund um das Kaisergebirge soll der Naturpark „Kaisergebirge“ etabliert werden. Der Prozess laufe bereits. „Generell heißt es, dass wir in den nächsten Jahren den Gürtel enger schnallen müssen. Die aktuelle Situation verlangt Entscheidungen mit Maß und Ziel“, schloss Grander seinen Vortrag.


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