Tourneo Custom: Ein blauer Salon auf vier Rädern

Der Tourneo Custom brüstet sich mit einem immens großen Raumangebot: Bis zu neun Sitzplätze harren der Besetzung, das Ladeabteil nimmt es mit Sportgeräten fast aller Disziplinen auf.

Löst viele Probleme und kennt nur eines: Wo lässt sich der 5,34 Meter lange Tourneo Custom am besten parken?
© TT/Höscheler

Von Markus Höscheler

Thaur – Eines kann er natürlich nicht verbergen, der Tourneo Custom: seine Näh­e zum Nutzfahrzeugsektor. Wären etwa die seitlichen Verglasungen im hinteren Bereich nicht, käme der Kastenwagen-Charakter des praktisch baugleichen Transit Custom mehr hervor, doch die Verwendung abgedunkelten Glases hinter der B-Säule macht deutlich: Hier haben wir es mit einem Personentransporter zu tun, und zwar mit einem äußerst geräumigen, wie spätestens bei geöffneter Schiebetür oder bei aufgeklappter Hecköffnung ins Auge fällt. Drei Sitzreihen können besetzt werden, die Reihe zwei ist im von der TT gefahrenen Testwagen sogar gegen die Fahrtrichtung gestellt, damit sich eine Art Geselligkeit in der Fahrzeugkabine einstellen kann. Beinfreiheit gibt es en masse, an Kopffreiheit keinen Mangel und dank Einzelsitzkonfiguration haben auch die Ellenbogen ihr­e Bewegungsfreiheit.

Und wenn es mal etwas anderes zum Transportieren sein darf als eine halbe Fußballmannschaft? Dann geht es recht einfach mit dem Umklappen der Sitze, ebenso mit dem Verschieben auf den Schienen (das Ausbaue­n hingegen erfordert mehr Aktivitäten der Bizeps/Trizeps-Fraktion). Dafür bietet das Ladeabteil von sich aus schon 1,9 Kubikmeter Lade­volumen dank des langen Radstandes und einer Karosserielänge von 5,34 Metern (eine Basisvariante mit einer Fahrzeuglänge von fast fünf Metern gibt es ebenso). Da haben sperrige Wintersportgeräte schnell ihren Platz gefunden, auch der Einkauf im Möbelhaus wird sich als machbare Aufgabe herausstellen.

Die Fahrt zum Ziel, ob besagte Handelseinrichtung oder Talstation eines Wintersportgebietes, sollte, sofern nicht durch Lockdown-Maßnahmen vereitelt, gleichermaßen komfortable gelingen: Eine Sechsstufenautomatik befreit von lästigen Schaltaufgaben, ein 185 PS starker Vierzylinder-Turbodiesel kann mit 415 Newtonmeter die Beschleunigungsaufgaben bravourös meistern. Allenfalls die Beschränkung auf den Vorderradantrieb ist das ein oder andere Mal nicht ganz so günstig, eine Allradkonfiguration stände in unseren Breiten rasch auf dem Wunschzettel, spielt sich aber nicht – auch wenn er sich derzeit mit einer überzeugend hohen Bodenfreiheit und sogar einem Offroad-Element wie einem Trittbrett brüsten kann.

Auf dem zuvor erwähnten Wunschzettel müssten wir zudem das Bedürfnis nach ausreichend Parkgelegenheiten anbringen – denn nicht überall im Tiroler Zentralraum ist mit dem Tourneo Custom eine ausreichend große Stellfläche zu finden. Dank des eckigen Aufbaus lässt sich das Fahrzeug immerhin recht einfach einparken, eine Rückfahrkamera und Parksensoren sichern den Rest ab.

Solche familientauglichen Busse haben grundsätzlich einen ökonomischen Haken – es braucht einen großzügigen finanziellen Hintergrund für die Anschaffung eines Transit Custom, zumal die hier gefahrene Version bereits mit mehr als 60.000 Euro zu Buche schlägt. Sicher ging­e es auch günstiger, wenn zum Beispiel der 102 PS starke Basisdiesel zur Geltung käme, die Grundausstattung Trend verbaut wäre und die normalgroße Ausführung zum Zuge käme. Und von Belang sind überdies divers­e Aktionen des Importeurs – derzeit wird der Tourneo Custom ab 33.990 Euro bei Leasing offeriert: Dafür gibt es immerhin schon beidseitig Schiebtüren, eine Geschwindigkeitsregelanlage, ein Park-Pilot-System vorn und hinten, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit statischem Kurvenlicht, LED-Tagfahrlicht, elektrische Fensterheber vorne und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung.

Recht frisch sind zwei Spielarten des Transit Custom. Einerseits lässt er sich neuerdings beziehen als Plug-in-Hybridvariante, die mit einer Kombination aus einem Einliter-Dreizylinder-Turbobenziner und einem Elektromotor für knapp 50 Kilometer rein elektrisches Fahren offeriert. Zudem kommt die neue Ausstattungs- und Designversion Active zum Einsatz, die dem Tourneo Custom einen optischen Offroad-Charakter verleiht. Serienmäßig gibt es unter anderem Kunststoffverkleidungen und eine Dachreling.


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