Neues Projekt in Kufstein: Mit jungen Ideen in die TVB-Zukunft

TVB Kufsteinerland startet Projekt „New Generation“. Ideen von Christian Harisch für neue Verbandsstrukturen fallen hier auf fruchtbaren Boden.

Die Festung wird das Wahrzeichen des Kufsteinerlandes bleiben, aber der Verband selbst ist im Umbruch begriffen.
© Otter

Von Wolfgang Otter

Kufstein – Als 2019 Georg Hörhager zum Interims-Obmann wurde, hatte sich der TVB Kufsteinerland bereits dazu entschieden, sich auf den Weg in Richtung eines außergewöhnlichen Projektes zu machen. Mit „New Generation“ wollen die Verbandsspitzen die jungen Touristiker einbinden und für Funktionsaufgaben begeistern. Denn Nachwuchssorgen „plagen viele Verbände“, wie Geschäftsführer Stefan Pühringer im TT-Gespräch erklärt. Vorstandsposten sind immer schwerer zu besetzen, sie sind bei jungen Unternehmern wenig begehrt und beliebt. Und gerade Kufstein hat eine ganz andere Struktur als klassische Urlaubsdestinationen. Für die Zukunft braucht es daher neue und eventuell ganz andere Denkweisen und Strukturen. Und die sollen nun die neuen Touristiker miteinbringen. „Nach einem herausfordernden Sommer, den wir gemeinsam ganz hervorragend gemeistert haben, ist es nun an der Zeit, die Jungen integrati­v und partizipativ in den Erneuerungsprozess einzubinden“, sagt Hörhager.

Eine aus dieser neuen Generation ist Beate Astner-Prem, Wirtin des traditionsreichen Sattlerwirtes, den sie mit ihren Geschwistern in ein modernes Seminarhotel mit Tiroler Wirtshauskultur umbaute. Sie ist bereits im Aufsichtsrat und kann sich auch dem Kitzbüheler Unternehmer Christian Harisch anschließen, der die TVB-Verbandsstrukturen als überholt ansieht. „Ich bin auch dafür, dass wir mitreden und kontrollieren, aber ein geschäftsführender Obmann könnte den Rest übernehmen“, sagt Astner-Prem. Derzeit muss der Vorstand noch viel Arbeit selbst verrichten. Für aktive Unternehmer eine entsprechend intensive Herausforderun­g. Und auch GF Pühringer spricht davon, dass „alte Muster von Verbandsgremien schon lange Geschichte sind und sich in Zukunft grundlegend ändern werden“.

Generation Z legt Wert auf Authentizität

„Die Generation Z, die jetzt das Ruder übernimmt, legt großen Wert auf Partizipation und Authentizität. Diese gesellschaftliche Veränderung ist schon seit Längerem im Gange – die zukünftige Führungsriege denkt anders, geht mit Herausforderungen anders um und legt großen Wert auf Offenheit“, so der Geschäftsführer.

Auch Kathrin Steindl, eine der Unterwirtinnen in Ebbs, ist Teil des Projekts: „Es geht nicht darum, einfach weiterzumachen und das nächste Kapitel aufzuschlagen, sondern Tourismus neu zu denken. Deshalb braucht es unbedingt auch auf Verbands­ebene einen Perspektivenwechsel und ein neues Selbstverständnis des touristischen Lifestyles. Der Status quo und was wir bisher erreicht haben, ist sehr gut, aber manches überholt. Corona hat diesen Prozess nicht verursacht, sondern nur beschleunigt.“ Lisa Mauracher vom Ayurveda Resort Sonnhof und Mitglied des Aufsichtsrats des TVB meint, dass es neben der Verjüngung auch „einen Ausgleich des Männer- und Frauenanteils geben wird. Wir sehen es ganz deutlich, dass Frauen immer mehr aktiv ins Geschehen miteingreifen, und dies sollte auch in der Führungsstruktur des Verbands reflektiert sein.“ Und für Andreas Thaler vom Hotel Frohnatur geht es darum, „dass die Tradition, wo sinnvoll, bewahrt wird, aber alte Denk- und Handlungsmuster hinterfragt und geändert werden. Das ist in unstabilen Zeiten wichtiger denn je.“

Unstabil werden die Zeiten durch Corona vorerst bleiben, darin sind sich alle einig. Ob kommende Winter- oder Sommersaison, die Vorhersagen versprechen noch keine Entwarnung aus.


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