Literaturhaus Graz „lüftet“ gegen zweite Welle

Das Literaturhaus Graz hat kollektiv ein Elixier gegen die Auswirkungen der Maßnahmen gegen das Coronavirus geschaffen: Unter dem Credo „Lüften, lüften, lüften“ wird mit „Die Corona-Tagebücher - Zweite Welle“ der Pandemie entgegen geschrieben. Das Literaturhaus „reagiert und setzt, basierend auf dem Veranstaltungsprogramm, das wir im Literaturhaus Graz bringen wollten, unsere Corona-Tagebücher zumindest bis Ende Jänner 2021 fort“, wurde angekündigt.

abrufbar.

Die Bearbeitung der Krise kann auch produktive Verweigerung sein, wie Günter Eichberger ausführt: „Ich habe noch nie ein Tagebuch geführt. Ich denke nicht daran, eines zu führen.“ Massenquarantäne sei ja ohnehin seine Zeit, da er sein Leben lang isoliert, sozial distanziert, immer bei sich zu Hause sei: „Ich könnte noch einen Schritt weitergehen und mich von mir selbst absondern. Genau das werde ich tun.“

Missverständlich wird bisweilen Kommunikation im Rahmen der Tagebücher, wenn zeitfordernde Projekte mit kurzfristig auftretenden Katastrophen kollidieren: Lydia Mischkulnig schilderte ihre Minuten nach dem Anschlag von Wien: „Die erste Nachfrage, ob ich okay sei, schickte meine Tochter per SMS. Da ich vom Attentat noch nicht in Kenntnis gesetzt war, freute ich mich über ihre Frage ungemein und beantwortete sie mit einem großen ‚Ja‘, um dann weiterzuschreiben, dass ich ganz guter Dinge sei, da ich mich wieder an einen Roman setzen wolle.“

Gabriele Kögl empfängt aus ihrer Sicht erste gute Nachrichten seit langem: „Biden holt auf. Und Trump sitzt in seiner weißen Hütte und reißt sich grad selber den linken Haxen aus, weil er die Auszählung der Briefwahlstimmen nicht stoppen kann. Und ich bin in Gedanken noch immer beim Oaschloch-Posten.“

Stefan Kutzenberger spielt mit einem Spezl wie schon im ersten Lockdown Tischtennis, sie beschließen weiterzuspielen und immer wieder zu lüften. Wolfgang Paterno ortet einen „prächtigen Tag im Fensterrahmen“, aber immer noch „Luftpest“. Aber ein Rezept mit Luft nach oben hat er: „Zuerst einmal frühstücken. Dann sehen wir weiter.“


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