Deutschland zwischen Corona-Helden am Sofa und „Querdenken“

Die deutsche Regierung will mit einem Augenzwinkern die Jugend zum Zu-Hause-Bleiben animieren. Unterdessen kam es zu Ausschreitungen bei Demos.

Bei der „Querdenken“-Demo in Frankfurt setzte die Polizei Wasserwerfer gegen eine Gegendemo ein.
© AFP

Berlin, Frankfurt, Rom – Die deutsche Bundesregierung wirbt mit augenzwinkernden Videos für das Zu-Hause-Bleiben in der Corona-Krise, in denen sie Nichtstuer auf der Couch zu Helden erklärt. Die unter dem Schlagwort „#besonderehelden“ im Internet verbreiteten Clips sorgten am Wochenende für viel Aufmerksamkeit in den sozialen Medien – dabei gab es Lob, aber auch kritische Reaktionen. In den mit dramatischer Musik untermalten Videos erzählen fiktive ältere Menschen aus der Zukunft rückblickend, wie sie als junge Leute die zweite Welle „damals in diesem Corona-Winter 2020“ erlebt haben.

📽️ Video | #besonderehelden

„Eine unsichtbare Gefahr bedrohte alles, woran wir glaubten“, sagt ein Mann, der als Anton Lehmann vorgestellt wird. „Und das Schicksal dieses Landes lag plötzlich in unseren Händen.“ Also hätten sie getan, was von ihnen erwartet worden sei: „absolut gar nichts. Waren faul wie die Waschbären“, so der Mann. „Tage- und nächtelang blieben wir auf unserem Arsch zu Hause und kämpften gegen die Ausbreitung des Coronavirus.“

„Unsere Couch war die Front, und unsere Geduld war die Waffe.“ In einem zweiten Clip taucht neben der Figur Anton Lehmann auch seine Frau Luise Lehmann auf. Die Videos enden jeweils mit dem Appell der Bundesregierung: „Werde auch du zum Helden und bleib zu Hause.“ Allein auf dem Twitter-Account von Regierungssprecher Steffen Seibert wurden die Clips, die in ihrer Inszenierung an TV-Geschichtsdokus erinnern, bis Sonntagnachmittag hunderttausendfach aufgerufen.

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Die Polizei musste in Frankfurt mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vorgehen.
© dpa

Ein Sprecher des Bundespresseamts erklärte auf Anfrage, die Videos seien Teil der Informationsmaßnahmen in der Corona-Pandemie. „Ihre Botschaft ist klar: Kontakte zu reduzieren ist derzeit unser wichtigstes und wirksamstes Mittel, um die Pandemie einzudämmen.“ Diesen Appell wolle man mit den Videos an möglichst viele junge Menschen herantragen.

Doch trotz vergleichsweise niedriger Infektionszahlen und eines sanfteren Lockdowns ist in Deutschland längst nicht alles eitel Wonne. So hat die Polizei am Samstag mit dem Einsatz von Wasserwerfern Blockaden einer Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen in Frankfurt am Main aufgelöst. Hunderte Gegendemonstranten hatten sich dem „Querdenken“-Protestmarsch auf mehreren Kreuzungen entgegengestellt, die Polizei räumte den Weg für den Aufzug. Später lösten Beamte die „Querdenken“-Abschlusskundgebung wegen nicht eingehaltener Hygienevorgaben auf und setzten gegen Dutzende Teilnehmer kurzzeitig einen Wasserwerfer ein, da sie trotz Aufforderung den Platz nicht verließen. Mindestens ein Demonstrant wurde leicht verletzt, laut Polizeiangaben war er gestürzt. Auch in mehreren anderen deutschen Städten demons­trierten Kritiker der Corona-Maßnahmen. (TT, APA, dpa)


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