150 Festnahmen bei neuen Demonstrationen in Weißrussland

Bei neuen Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko in Weißrussland sind vermummte Sicherheitskräfte am Sonntag massiv gegen Demonstranten vorgegangen. In der Hauptstadt Minsk setzten Uniformierte Tränengas und Blendgranaten gegen friedliche Demonstranten ein, wie Videos im Nachrichtenkanal Telegram zeigen. Auf diese Weise lösten sie einzelne Kundgebungen auf. Es gab mehrere Verletzte. Die Menschenrechtsgruppe Wesna sprach von mehr als 150 Festnahmen.

Zu sehen war, wie Demonstranten vor schwarz gekleideten Uniformierten wegrannten oder Festnahmen verhindern wollten. Immer wieder prügelten Sicherheitskräfte auf Menschen ein. Auf den Straßen waren Uniformierte mit Sturmgewehren zu sehen.

Mehrere Tausend Menschen waren in größeren Gruppen in Minsk unterwegs. Aktionen gab es auch in anderen Städten. Erneut waren wieder etwa 15 Metro-Stationen in Minsk gesperrt, damit Demonstranten nicht ins Stadtzentrum gelangen konnten. Auch das mobile Internet war weitgehend abgeschaltet - diesmal bereits am Morgen. Damit wollten es die Behörden erschweren, sich zu Versammlungen zu verabreden. Zudem waren mehrere Straßen und Plätze teils mit schwerer Technik abgeriegelt. In der Hauptstadt waren viele Gefangenentransporter zu sehen.

Seit der Präsidentenwahl am 9. August steckt das Land in einer schweren innenpolitischen Krise. Der 66-jährige Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen. Die EU erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an. Die Opposition sieht die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja als wahre Gewinnerin. Sie floh aus Angst um ihre Sicherheit ins EU-Land Litauen.

Es war der mittlerweile 99. Protesttag. Die Demonstranten erinnerten dabei an den Tod eines 31-Jährigen vor wenigen Tagen. Der Mann, den die Demokratiebewegung als Helden verehrt, soll überfallen worden sein. Einen Tag später starb er an seinen Verletzungen. „Wir werden den Tod von Roman Bondarenko nicht verzeihen“, schrieb Tichanowskaja bei Telegram. Die Menschen in Belarus sollten weiter gemeinsam für Freiheit und ihr Leben kämpfen.


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