Lockdown in Tirol: Überwachung der Polizei mit viel Fingerspitzengefühl

Polizeichef Kohler verspricht, dass es die Beamten mit den Details bei der Kontrolle der Ausgangsregeln nicht peinlich genau nehmen werden.

Mit peinlich genauen Kontrollen durch die Polizei ist nicht zu rechnen. Eine plausible Erklärung fürs Verlassen des Wohnbereichs genügt.
© Thomas Boehm / TT

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Viel Verkehr, Staus und Warteschlangen vor den Friseuren: Am Montag nutzten noch viele die letzten Stunden in Freiheit, um Erledigungen und Einkäufe zu machen. Ab heute ist damit Schluss – für die nächsten drei Wochen wird sich das Leben der meisten in den eigenen vier Wänden abspielen. Für die Einhaltung der Ausgangssperre rund um die Uhr sorgt wie schon in der Vergangenheit die Polizei.

Landespolizeidirektor Edelbert Kohler verspricht auch dieses Mal, dass die Beamten mit Fingerspitzengefühl vorgehen werden. „Wir schauen nicht auf die Details“, meint der Polizeichef. Zumal auch die neueste Covid-Verordnung einige Fragezeichen beinhaltet und nicht immer eindeutig bzw. einfach zu verstehen ist. So darf der Bruder die Schwester besuchen und der Sohn die Mutter. Die Ehefrauen sollten aber zuhause bleiben, weil die Verwandtschaftsverhältnisse zur Schwägerin bzw. Schwiegermutter nicht eng genug sind. Wenn die Mutter allerdings ihren Sohn besucht, der mit seiner Ehefrau zusammenlebt, ist das o. k.

Keine Einwände gibt es auch, wenn zwei Brüder gleichzeitig ihre Mutter besuchen. Wenn ein Bruder dabei seinen Sohn mitnimmt, wird’s schwierig: Zur Oma darf zwar auch der Enkel, zum Onkel aber nicht der Neffe – das Verwandschaftsverhältnis ist nicht eng genug. Wenn aber der Neffe für den Onkel zu „einzelnen Bezugspersonen“ zählt, mit denen er mehrmals wöchentlich Kontakt hat, ist die Legalität wieder gewahrt.

Verwirrung um Bezugspersonen

Apropos „einzelne Bezugspersonen“ – diese können Verwandte ebenso wie Freunde sein und sind den Geschwistern, Eltern, Kindern und Enkeln gleichgestellt. „Wir führen aber keine Listen, wer wen als Bezugsperson bereits angegeben hat“, erklärt Kohler.

Tirols Polizeichef will die Überwachung der neuen Maßnahmen so einfach wie möglich halten. „Es geht darum, Kontakte und damit Infektionen zu verhindern.“ Wer außerhalb seines Wohnbereichs kontrolliert wird, muss einen der erlaubten neun Gründe anführen können. Und das auf plausible Weise – das Treffen mit der engen Bezugsperson, deren Wohnort man nicht kennt, zählt nicht dazu.

Kohler betont, dass mit zweierlei Maß gemessen werden soll. „Wenn schon seit Längerem geltende Maßnahmen missachtet werden, ist eher mit Strafen zu rechnen als bei den neuen Beschränkungen.“ Anders ausgedrückt: Bei Missachtung der Maskenpflicht oder bei zu wenig Abstand kann es teuer werden, bei Verstößen gegen die neuen Regeln bleibt es mit Glück bei einer kostenlosen Ermahnung.

Ein verstärktes Augenmerk wird die Polizei auch auf die Freizeiteinrichtungen legen. „Wir werden regelmäßig bei Skaterparks, Fußballplätzen und ähnlichen Orten vorbeischauen und die Einhaltung des Betretungsverbots überprüfen.“


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