Tirolerin Mair angriffslustig: „Jetzt will ich den ersten Podestplatz“

Mit Rang sechs schloss Slalom-Ass Chiara Mair aus Götzens die Saison ab, in Levi soll es in der Tonart weitergehen.

Die 24-jährige Götznerin Chiara Mair greift bei den beiden Slaloms in Levi wieder voll an.
© gepa steiner

Von Roman Stelzl

Levi – Drei Kreuzbandrisse mit 20 Jahren, ein Knorpelschaden im Knie mit 21 und schließlich ein Schleudertrauma mit schwerer Gehirnerschütterung und verschobenen Halswirbeln mit 22 – die Verletzungsliste, die Chiara Mair in ihrer Vita führt, reicht schon jetzt für ein, zwei Karrieren im Profi-Ski-Geschäft aus. Dabei ist die 24-jährige Götznerin nicht am Ende, sondern erst am Anfang einer Laufbahn, die noch eine ganz große werden soll.

Und an Ehrgeiz mangelt es nicht. „Nach den letzten Ergebnissen will ich jetzt den ersten Podestplatz im Weltcup, daneben ist eine Medaille bei der WM in Cortina ein Ziel“, sagte Mair, die heute mit dem ÖSV-Team in den FIS-Charterflieger (exklusiv für die Athletinnen) steigt und von Zürich nach Finnland fliegt. Dort hat die Junioren-WM-Dritte von 2017 in Levi am Samstag und Sonntag zwei Slaloms, um die Ambitionen in Zählbares umzusetzen.

Ski-Weltcup der Damen in Levi (FIN): Programm:

Samstag: 1. Slalom (10.15/13.15 Uhr). Sonntag: 2. Slalom (10.15/13.15 Uhr, TT.com-Live-Ticker).

ÖSV-Aufgebot: Egger, Gallhuber, Gritsch, Huber, Liensberger, Lorenz, Mair, Schild, Truppe.

Endstand Slalom 2019/20: 1. Vlhova (SVK) 460 Pkt., 2. Shiffrin (USA) 440, 3. Liensberger 276; 7. Truppe 209; 10. Mair 125; 22. Gritsch (alle AUT) 54.

Dabei kommen die Ansprüche nicht von ungefähr. Zum Ende einer vom Coronavirus bestimmten Vorsaison fuhr Mair zuerst in Flachau (Rang acht) und dann im slowenischen Kranjska Gora (Rang sechs) jeweils das beste Weltcup-Resultat im Slalom her­aus. Den Torlauf-Weltcup beschloss sie auf dem zehnten Rang und damit als klar beste Tirolerin, in Levi winkt nun als Lohn ein Startplatz ganz vorne im Feld.

„Es ist schon blöd, dass die Saison so abrupt abgebrochen wurde, wo ich gerade so gut drauf war. Aber mein Vorteil ist, dass ich vom Typ her nicht viel Trainingstage brauche, um in Form zu kommen“, meinte Mair und ergänzte: „Ich bin gut gerüstet und bin mir sicher, dass ich gleich wieder da anschließen kann, wo ich letzte Saison aufgehört habe.“

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Dass es in der Lockdown-Zeit und der komplizierten Trainingslage im Sommer weniger Zeit zum Üben auf Ski gab, kümmert die Pferdeliebhaberin wenig. „So richtig viel trainieren konnte ich in den letzten Jahren eh nie“, schmunzelt Mair, deren Karriere im September 2018 vor dem Aus stand. Bei einem Trainingssturz im Schweizer Saas-Fee knallte sie mit dem Kopf fest auf die pickelharte Piste. Das damals erlittene Schleudertrauma war ein glimpflicher Ausgang, begleitet sie teils aber noch heute.

Bernadette Lorenz feiert ihr Weltcup-Debüt.
© Pitztaler Gletscherbahnen

Es wurde wie so viele andere Rückschläge Teil des Lebens. „Wenn ich darüber nachdenke, was damals passiert ist und wie ich im Bett lag, ist das eine große Motivation. Ich denke mir dann: Schau mal, was du geschafft hast und wie weit du bist. Es hat auch was Schönes, wenn man sich so durchkämpft“, so Mair, die neben der Ötztalerin Franziska Gritsch und der Oberperfer Debütantin Bernadette Lorenz als eine von drei Tirolerinnen in Levi startet.

Dabei ist das Fehlen der Zuschauer kein Problem: „Das ist, wie wenn du zum Training irgendwohin fliegst, viel ruhiger und feiner.“ Aus der Ruhe entspringt nicht selten Kraft für Neues. Davon kann Mair ja schon ein Lied singen.


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