Tirol verliert eine Milliarde Euro, Aufruf zu lokalem Konsum

Die Wirtschaftskammer will den Abfluss von Wertschöpfung in das Ausland verhindern. Kritik an Strategie des „Auf- und Zusperrens“.

Zum lokalen Konsum rufen die Spartenobleute Franz Jirka und Dieter Unterberger (l. und r.) sowie WK-Präsident Christoph Walser auf.
© WK Tirol/Kessler

Innsbruck – Der heuer bereits zweite Lockdown trifft die Tiroler Wirtschaft hart. Tausende geschlossene Betriebe mitten im wichtigen Weihnachtsgeschäft dürften die Umsätze der heimischen Betriebe um rund eine Milliarde Euro einbrechen lassen, schätzt die Wirtschaftskammer Tirol (WK). WK-Präsident Christoph Walser rief gestern deshalb mit den Spartenobleuten Franz Jirka (Gewerbe und Handwerk) und Dieter Unterberger (Handel) in einer gemeinsamen Pressekonferenz dazu auf, die lokale Wirtschaft zu stützen.

„Die Tiroler Wirtschaft braucht ein klares Bekenntnis zum Standort“, sagte Walser. Die WK will deshalb nun die Kampagne „Ja zu Tirol“ „auf allen Kanälen“ intensivieren. Walser appelliert an alle Tiroler Betriebe, an der Kampagne teilzunehmen. „‚Ja zu Tirol‘ ist so aufgesetzt, dass die Kampagne alle sieben Sparten und alle Betriebe nutzen können.“

Gewinner der Pandemie sei bislang vor allem der internationale Online-Handel. So vermeldet alleine der weltgrößte Online-Händler Amazon für heuer ein Umsatzplus von 100 Milliarden Euro. „Wenn man sieht, was dabei an Retourwaren anfällt und welchen CO2-Ausstoß das mit sich bringt, ist das keine gute Entwicklung.“

Die Tiroler Wirtschaft braucht ein klares Bekenntnis zum Standort.
Christoph Walser (WK-Tirol-Präsident)

Laut Jirka leide nicht nur der Handel unter dem Abfluss von Wertschöpfung. „Wir merken, dass etwa auch Stiegengeländer oder andere geschmiedete Waren online im Ausland bestellt werden“, sagt Jirka, der auf die „Top-Qualität im Tiroler Handwerk“ verweist. Walser ergänzt, dass auch die Tiroler Betriebe trotz des Lockdowns größtenteils online und telefonisch erreichbar sind, Bestellungen entgegennehmen und ausliefern. „Jeder einzelne Konsument kann mit seinem Verhalten dazu beitragen, dass regionale Wirtschaftskreisläufe weiterhin funktionieren und Arbeitsplätze gesichert werden“, erklärt Walser.

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Das Zuwarten bis zur Wiedereröffnung am 7. Dezember oder das Verschenken von Gutscheinen sind für Unterberger ebenfalls Möglichkeiten, um die heimischen Händler bewusst zu unterstützen und ihnen über diese schwierige Zeit zu helfen.

Viele heimische Händler haben Online- und Lieferservices (...) im Lockdown.
Dieter Unterberger (WK-Obmann Handel)

Die Branchenvertreter fordern einen „Schulterschluss der Tiroler Betriebe“ während des Lockdowns. Umso mehr ärgert Walser, dass sich einzelne Lebensmittelhändler nicht an die empfohlene Einschränkung des Non-Food-Sortiments halten wollen. „Das ist eine Riesenschweinerei. Ich fordere hier von der Politik eine entsprechende Verordnung mit harten Strafen.“ Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) rief gestern in dem Zusammenhang zur „Fairness“ auf.

Der WK-Präsident fordert eine Ausweitung des gestaffelten Umsatzersatzes für nicht direkt vom Lockdown betroffene Betriebe. Die Politik sei zudem gefordert, „eine Strategie für die kommenden Monate“ zu entwickeln. „Aufsperren und alle paar Monate wieder zusperren kann ja nicht die Strategie sein“, sagt der WK-Chef, der den Zeitpunkt des Lockdowns kritisiert: „Aus meiner Sicht hätte es viele Möglichkeiten gegeben, um den Lockdown früher zu verhindern.“ (ecke)


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