Nauderer Alm-Bilanz weist rote Zahlen aus

Schwere Vorwürfe im Nauderer Gemeinderat zur finanziellen Schieflage der Almwirtschaft.

Symbolfoto.
© Wenzel

Nauders – „Das kommt davon, wenn man schlampig wirtschaftet und zum Beispiel die Almtiere nicht korrekt an die AMA meldet. Dann werden immer niedrigere Prämien ausbezahlt.“ Elmar Monz, Gemeindevorstand in Nauders, zugleich Bezirksobmann der Bauernkammer, reagierte in der jüngsten Gemeinderatssitzung empört auf ihm vorliegende rote Zahlen.

Laut Monz soll ein Fehlbetrag von 120.000 Euro auf den sechs Nauderer Almen erwirtschaftet worden sein. Die Verantwortung trage der Bergmeister – Siegfried Spöttl. (Bergmeister ist die regionale Bezeichnung für den Almmeister bzw. Alm-Geschäftsführer). Auf die Weideflächen werden jährlich bis zu 2500 Almtiere aufgetrieben – Schafe, Kühe, Kälber und Pferde. Almbesitzer ist die Gemeinde bzw. die Gemeindegutsagrar, die Almen gepachtet hat Gemeinderatsmitglied Spöttl.

Auch er sei vor Jahren Bergmeister gewesen, hob Monz hervor. „Mit 31. Dezember 2013 habe ich ein Guthaben von 83.000 Euro in der Kassa übergeben“, erinnert er sich. Zudem sei die Infrastruktur in seiner Zeit, unter Bürgermeister Robert Mair, großzügig saniert worden. „Aber jetzt ist alles abgewirtschaftet.“

Ein Geldpolster sei nötig, „damit man im Frühjahr die Tiere überhaupt auftreiben kann“, so Monz. „Uns hat der Bergmeister im Landwirtschaftsausschuss nie über die Lage informiert. Ich bin beim Überlegen, ob das ein Fall für die Staatsanwaltschaft wird.“

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Erste Konsequenz, die der bäuerliche Funktionär gemeinsam mit drei Mandataren seiner Gemeinderatsfraktion zog, ist ein Antrag zur Auflösung des Pachtvertrages zwischen der Bergmeisterei und Gemeinde. Bergmeister Spöttl soll in weiterer Folge abgelöst werden.

„Die Rahmenbedingungen der Almwirtschaft sind immer schwieriger geworden. Der Aufwand ist groß, die Kosten und Löhne steigen“, sagte der Bergmeister, der sich gegen die Vorwürfe heftig wehrt. Zudem würden die Fördergelder der AMA gekürzt, es gebe immer wieder Streichungen. Um aus den roten Zahlen zu kommen, werde er den TVB und die Bergbahnen Nauders um einen Beitrag ersuchen. Zudem soll im Nauderer Landwirtschaftsausschuss ein neues Grundkonzept zur künftigen Almbewirtschaftung entwickelt werden, sagte Siegfried Spöttl.

Der Antrag auf Auflösung des Pachtvertrages soll laut Bürgermeister Helmut Spöttl in der kommenden Gemeinderatssitzung zur Abstimmung gebracht werden. „Die Unstimmigkeiten innerhalb unserer Landwirtschaft sind bedauerlich“, kommentierte er, „was ich vermisse, ist ein Plan B, wie es danach weitergehen soll.“ (hwe)


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