Komplizierte Welt einfach erklärt: Globos zweiter Streich

Wie geht es der Erde und ihren Bewohnern? – Drei Tiroler Autoren zeigen das anhand ihres fiktiven Dorfes.

  • Artikel
  • Diskussion
Symbolbild.
© McPHOTO/M. Gann

Von Floo Weißmann

Innsbruck – Von allen Dörfern ist Globo vielleicht das bizarrste – und zugleich das genaueste Abbild unserer Welt. Der reichste Bewohner heißt Austin; er verfügt pro Tag über 311 Oro – die fiktive Währung des Dorfes. Ihm gegenüber stehen Awassa, Patna, Kano, Sibi, Pemba, Goma, Ballia, Mopti, Kulna und Dese: Sie müssen mit nur einem einzigen Oro pro Tag auskommen.

Dass sie alle nun durch das erdachte und trotzdem ganz reale Dorf Globo spazieren, haben sie den Tiroler Autoren Josef Nussbaumer, Andreas Exenberger und Stefan Neuner zu verdanken.

Vor mehr als einem Jahrzehnt war das Trio erstmals angetreten, die komplizierte Welt begreifbar zu machen. Aus Unmengen von Daten – von Bevölkerungsstatistiken bis zu Handelsströmen – schufen sie ein Dorf mit genau hundert Einwohnern. Fünf von ihnen lebten im Weiler Nordamerika und 61 im Weiler Asien. Diese Methode machte die globalen Verhältnisse und vor allem die Ungleichgewichte auf einen Blick darstellbar.

Globale Ungleichgewichte: Diese Grafiken aus dem zweiten Globo-Buch zeigen die Verteilung der Einwohner und des Konsums in dem Dorf, das die Welt abbildet.

Mit „Globo. Eine neue Welt mit 100 Menschen“ ist nun das Nachfolgebuch erschienen. Die Autoren haben aber nicht allein die Daten aktualisiert, sondern verfolgen auch neue Konzepte.

Alle Bewohner von Globo haben Namen und Eigenschaften erhalten, und sie interagieren miteinander. Das Zahlenwerk beginnt zu menscheln, und es werden auch die sozialen Unterschiede innerhalb der Weiler deutlich.

Jeder Dorfbewohner repräsentiert ein Hundertstel der Weltbevölkerung, also 73,5 Millionen Menschen. Das hat etwa zur Folge, dass im Weiler Europa zwei Menschen in ihren Siebzigern leben, aber kein Kind. Die Jüngste ist die 15-jährige Odessa.

Nicht einmal die Hälfte der Menschen im Dorf Globo nützt das Internet; aber es gibt mehr Mobiltelefone als Einwohner.

Inhaltlich orientieren sich die Autoren diesmal an den 2015 verabschiedeten nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen. Ihr Buch veranschaulicht die Ausgangslage – vom Kampf gegen Armut und Hunger über Investitionen in Gesundheit, Bildung und Geschlechtergerechtigkeit bis zu Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Frieden. Nicht alles ist schlimm. Die Grafiken dokumentieren Fortschritte im Bemühen, dass alle Menschen zur Schule gehen können. Aber sie zeigen auch die Schieflage in der Welt – etwa beim Konsum (siehe Illustration) oder beim Verbrauch von Ressourcen.

Herausgekommen ist ein Nachschlagewerk für alle, die mehr über die Welt wissen wollen, eine Arbeitshilfe für Lehrende und Entscheidungsträger und ein Faktencheck für Gutmenschen und solche, die es werden wollen.

Das Buch will nicht moralisieren, sagt Exenberger. Aber die Autoren hoffen, dass LeserInnen aus den Daten ihre Schlüsse ziehen. Sie beziehen übrigens kein Honorar. Stattdessen haben sie mit dem Studia-Verlag vereinbart, dass die Hälfte der Einnahmen an den Verein „teamGlobo“ fließen, der sich der Bewusstseinsbildung verschrieben hat und karitative Projekte unterstützt.


Kommentieren


Schlagworte