Gedämpfter Start für das Tiroler Steinbockzentrum

Corona verpasste dem im Juli eröffneten Leuchtturmprojekt des Pitztals zwar einen Dämpfer, dennoch wurden bereits 8000 Besucher gezählt.

Die Steinböcke aus dem Alpenzoo fühlen sich in ihrem Gehege am Schro­fen in St. Leonhard im Pitztal bereits wohl und daheim.
© Steinbockzentrum

Von Alexander Paschinger

St. Leonhard – Eigentlich ist man mit der ersten Saison im Steinbockzentrum zufrieden. „Gut gelaufen“, und „sehr zufrieden“ sogar, wie Elmar Haid, der Bürgermeister von St. Leonhard, betont. Dennoch kommt er rasch auf das heuer alles beherrschende Thema zu sprechen. Denn natürlich habe die Covid-Pandemie für einen Dämpfer bei den Erwartungen gesorgt. Das Steinbockzentrum wäre nämlich ein ideales Ziel für den Bustourismus gewesen. Aber von 24 angemeldeten Fahrten tauchten dann letztlich nur zwei im hinteren Pitztal auf – und selbst diese Busse waren dürftig besetzt. Umso mehr freut es da die Verantwortlichen, dass man trotzdem „an die 8000 Besucher in zweieinhalb Monaten von Mitte Juli bis Anfang Oktober“ begrüßen durfte. „Von dem her muss man sagen, ein super Sommer“, bestätigt der Geschäftsführer des Naturparks Kaunergrat, Ernst Partl.

Auch wenn Corona von Anfang an bremste, so hatte man nach Plan begonnen: Ende Juni wurden die sieben Steinböcke aus dem Innsbrucker Alpenzoo in ihr neues, 2500 m² großes Gehege „am Schrofen“ gebracht und ausgelassen. Und dann gab es auch noch eine kleine Eröffnung mit hochrangigen Gästen: LH Günther Platter und seine Stellvertreterin Ingrid Felipe beehrten das „Leuchtturmprojekt des Pitztales“.

Nicht weniger als 3,7 Millionen Euro wurden investiert

Seit fünf Jahren wurde an der Verwirklichung dieses ambitionierten Projektes gearbeitet. An vorderster Stelle standen dabei der Naturpark Kaunergrat und die Gemeinde St. Leonhard. Denn hier wurde 1953 das Steinwild als Standort der Tiroler Landesjagd wieder angesiedelt. Als nunmehrige Projektpartner agierten EU (Regio Imst), Land Tirol, das Regionalwirtschaftliche Programm Pitztal (RWP), der TVB Pitztal, der Landesjägerverband und die Gemeinde St. Leonhard. Dazu kommen freilich noch die Tiroler Landesmuseen und der Alpenzoo. Nicht weniger als 3,7 Millionen Euro wurden investiert.

Im Mittelpunkt stehen derzeit die sieben Tiere im Steinbockgehege und das weithin sichtbare Haus am Schrofen, das an einen Wehrturm erinnert. Darin gibt es zum einen eine Fotoausstellung und auch eine Gastronomie. „Die wird auch sehr gut von Einheimischen angenommen“, freut sich Haid. Unter den gut 8000 Besuchern waren etwa 3000 der Pitztaler Sommercard zuzuordnen – also Touristen aus dem Pitztal selbst. Haid rechnet überhaupt, dass viele Gäste das Angebot heuer genutzt hatten. „Aber es gab auch viele einheimische Besucher von Innsbruck bis nach Landeck“, erkennt er ein entsprechendes Interesse in der Bevölkerung an der neuen Attraktion.

Abgeschlossen ist das Projekt mit dem Steinbockzentrum freilich noch nicht. „Es ist erst Phase eins umgesetzt – also ein Drittel“, erklärt Naturpark-Geschäftsführer Partl. Dementsprechend finden immer wieder Sitzungen und Treffen statt.

Eine „Werkstatt Natur“ sol kommen

Im kommenden Jahr sollte der Schrofenhof selbst angegangen werden. Er gilt als ältestes Gebäude des Tales und sollte in seiner ursprünglichen Erscheinung, die er noch vor 100 Jahren hatte, wiedererstehen. „Und innen begehbar gemacht werden“, ergänzt Haid. Damit werde im Frühjahr gestartet. Im Mai sollten dann die nächsten tierischen Bewohner einziehen, deren Umzug durch Corona verzögert wurde. Es handelt sich um eine Murmeltierfamilie aus Serfaus, wie der Bürgermeister erklärt. Außerdem wird für Kinder ein Streichelzoo eingerichtet.

Und schließlich wird noch an einer dritten Phase gebastelt: Eine „Werkstatt Natur“, die von der Landesjagd, dem Jägerverband und dem Forst bespielt werden sollte. Es geht um die jagdliche Ausbildung in einem Kompetenzzentrum. Dafür soll ein weiteres Gebäude samt einer Schaufütterung errichtet werden.


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