Seidl zurück im Weltcup: „Kann meine Leidenschaft ausleben“

ÖSV-Kombinierer Mario Seidl kämpft sich nach einem Kreuzbandriss und 13 Monaten Pause zurück in den Weltcup.

Zurück in der Spur: Mario Seidl meldete sich nach langer Verletzungspause fit und will sich für den Weltcup-Auftakt empfehlen.
© ÖSV/Derganc

Innsbruck – Mario Seidl sitzt am Zitterbalken der Bergiselschanze und hat ein Ziel vor Augen. Für den ÖSV-Kombinierer begann nach Team-Bronze bei der Heim-WM 2019 in Seefeld eine lange Durststrecke. Beim letzten WM-Bewerb zog er sich einen Kreuzbandeinriss zu, im September letzten Jahres folgten bei einem Trainingssturz in Planica ein Kreuzbandriss und Meniskusschaden. Nach langer Pause will der 27-jährige Pongauer beim Weltcupauftakt in Ruka (ab 27. 11.) im ÖSV-Aufgebot stehen.

Wie ist das Gefühl, nach so langer Zeit wieder auf der Schanze zu sein?

Mario Seidl: Es ist auf jeden Fall unglaublich schön, wenn man so lange auf etwas hinarbeitet. Das Endprodukt ist der Schritt zurück auf die Schanze. Bis dahin verstreicht viel Zeit beim Physiotherapeuten, im Krafttraining. Ich kann endlich meine Leidenschaft Skispringen wieder ausleben.

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Seidl: Im ersten Lockdown war ich noch tief in der Reha-Phase. So seltsam das klingt, ich hatte das Gefühl, dass ich noch mehr Zeit bekomme dadurch. Ich hatte keinen Stress, für den Sommer-Grand-Prix fit zu werden, weil dieser abgesagt wurde. Ich trainiere sowieso viel im Freien und alleine, das war im Lockdown nicht anders.

Sie haben sich für die Rückkehr auf die Schanze 13 Monate Zeit gelassen.

Seidl: Es war nach meiner Verletzung wie ein Neustart, es fängt wieder bei null an. Man muss die Muskulatur wieder aufbauen und viele kleine Schritte setzen. Das Skispringen war der letzte Schritt. Es war ja nicht nur mein Kreuzband gerissen, ich hatte einen Knorpelschaden und mein Meniskus war verletzt. Das braucht seine Zeit.

Wer hat Ihnen beim Comeback am meisten geholfen?

Seidl: Die meiste Zeit hab’ ich sicher mit meinem Physiotherapeuten Christoph Schwarzl verbracht. Er hat mich wiederhergestellt. Jetzt fühle ich mich wieder wie ein kompletter Kombinierer.

Wie sehen die Ziele für diese Saison aus?

Seidl: Der größte Erfolg wäre, wenn ich zum Weltcupauftakt in Ruka am Start stehe. Ich weiß, dass ich nicht die perfekte Vorbereitung gemacht habe, es war ein anderer Weg aufgrund der Verletzung. Es ist wichtig, dass man wieder reinkommt. Natürlich hab’ ich die WM in Oberstdorf im Kopf, da will ich dabei sein.

In Oberstdorf sind auch erstmals die Kombiniererinnen mit einem WM-Bewerb vertreten.

Seidl: Das ist ein wichtiger Schritt für unsere Sportart, damit wir auch in Zukunft olympisch bleiben. Die ein oder andere Athletin hat sich auch bei uns Tipps geholt.

Auch Ihr Salzburger Landsmann Bernhard Gruber hat sich nach seiner Herz-OP (Stent-Implantat) zurückgemeldet. Was sagen Sie zu seinem Comeback?

Seidl: Als ich das gehört habe, hab’ ich ihn gleich angerufen. Es freut mich voll für ihn, dass er den Schritt geschafft hat und die Untersuchungen ergeben haben, dass er wieder gesund ist. So wie ich den Berni kenne, darf man ihn nie abschreiben, das hat er in der Vergangenheit schon öfters gezeigt. Es würde mich freuen, wenn wir zwei Salzburger gemeinsam angreifen.

Das Interview zeichnete Benjamin Kiechl auf


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