Nachricht vom großen Bruder: Tom Pettys musikalisches Vermächtnis

Das posthume Paket „Wildflowers & All The Rest“ wartet (in der gestreamten Version) mit 54 Songs und fast vier Stunden Spielzeit auf.

Tom Petty starb am 2. Oktober 2017 im Alter von 66 Jahren.
© imago/ZUMA Press

Innsbruck – Das US-Fachmagazin Rolling Stone, mithin ein gedrucktes Vademecum des gut informierten U-Musikfreundes, listet Tom Petty unter den 100 größten Musikern aller Zeiten.

Solche Rankings sind immer Ausdruck eigener Vorlieben. So wie die nun folgende, ebenfalls sehr persönliche Verneigung: Petty, vor drei Jahren 66-jährig an einer Tabletten-Überdosis gestorben, wirkte wie der ältere Bruder, Kumpel oder Freund, den man selbst nie hatte: relaxt, unaufgeregt, „laid-back“, wie die Amis das nennen, zurückgelehnt, mit sich im Reinen, zumindest äußerlich.

Mit seiner Band The Heartbreakers ruderte sich Leadsänger Petty ab den 70er-Jahren nach oben. Mit den Traveling Wilburys scharte er von 1988 bis 1990 eine bis heute unerreichte Supergroup um sich, die zwei legendäre Alben einspielte. Bob Dylan, Jeff Lynne, George Harrison, Roy Orbison und eben Tom Petty – was für eine Mannschaftsaufstellung war das damals! Außer Lynne und Dylan ist aus diesem Line-Up inzwischen niemand mehr am Leben.

„Restln“ werden jetzt nachgereicht

Pettys charmant-süffisanter Gesang, sein passables Gitarrespiel und großes Gespür für ohrenfreundliche Songs machten den in Florida geborenen Musiker zu einem Megaseller des Unterhaltungsgeschäfts. Auch solo wandelte er stets auf sicheren Pfaden, er füllte riesige Konzertarenen und heimste Auszeichnungen ein.

Stilistisch bediente er sich querbeet im Fundus rockiger Zutaten. Einflüsse von Folk und Country schimmerten durch, am stärksten auf Pettys Solo-Langrille „Wildflowers“ von 1994 (mit der Hitsingle „You Don’t Know How It Feels“, die, weil textlich mit dem Konsum illegaler Sub­stanzen liebäugelnd, der Zensur anheimfiel).

Damals blieb eine Menge Material auf der Strecke. Eine Platte durfte aus Gründen der Vermarktbarkeit nicht zu episch lang ausfallen. In Strea­ming-Zeiten wie den unseren sind derlei ­Überlegungen passé. So werden die „Restln“ der damaligen „Wildflowers“-Session von Pettys Nachkommen eben jetzt nachgereicht.

Posthumer (Country-)Rock

Tom Petty: Wildflowers & All The Rest (Deluxe Edition)

Warner Records

Das posthume Paket „Wildflowers & All The Rest“ wartet (in der gestreamten Version) mit 54 Songs und fast vier Stunden Spielzeit auf. Das gesamte „Wildflowers“-Original ist technisch verbessert enthalten, dazu Unveröffentlichtes, Live-Tracks sowie Demo-Tapes aus dem Proberaum, mit reduzierter, feiner Akustikgitarre und viel Schmalz in der Stimme. Taugt bestens zur Entspannung im häuslichen Lockdown.

Tom Petty fehlt. (mark)


Kommentieren


Schlagworte