Leise Schritte statt große Töne bei Jungpapa Feller

Keine „Rap-Musik“, keine Abrechnung mit Kritikern, einfach Papa sein: Tirols Ski-Ass Manuel Feller (28) sucht in der Ruhe seine neue Kraft.

Balance-Akt für Manuel Feller: Der 28-jährige Fiebebrunner sucht den Mittelweg zwischen maximaler Belastung und richtiger Intensität.
© gepa

Von Roman Stelzl

Fieberbrunn –Es war ruhig um Manuel Feller in diesem Sommer. Zu ruhig um einen, der es gewohnt ist, laut zu sein, wenn es die Situation erfordert. Die Videos, in denen der 28-jährige Fieberbrunner mit seinen Kritikern abrechnet, haben im Ski-Weltcup-Geschäft ebenso Kultstatus wie seine Social-Media-Serie „Felli speaks his mind“, der Rap zur Corona-Krise mit Sonnenbrille auf dem roten Bobby Car seines Sohnes oder seine Sager zur heurigen Abstufung in den A-Kader („Heißt, es gibt zwei, drei Jacken weniger“).

Frischer und stärker zum Saisonstart

Doch im Schatten der Coronavirus-Krise, die lange kaum einem viel Rampenlicht ließ, schaltete der Vize-Slalom-Weltmeister von 2017 ein paar Gänge zurück. Und trat leiser. Anstatt große Reden zu schwingen oder aus der Reihe zu tanzen, versuchte Feller vielmehr, aus der durch die Krise gewonnenen Ruhe neue Kraft zu gewinnen.

„Ich werde älter, und mir wird das auch zu blöd. Die Leute haben genug Schwierigkeiten.“
Manuel Feller (zur Auseinandersetzung mit den Kritikern)

„Die Vorbereitung in den vergangenen Wochen war die beste und ruhigste, an die ich mich erinnern kann“, schwärmte Feller bei der gestrigen Video-Konferenz und legte nach: „Es war von Vorteil, dass sich der Körper langsam an die Belastung gewöhnen konnte und wir die Intensität Schritt für Schritt erhöhen konnten. So gehe ich frischer und stärker in die Saison.“ Und die ist eine der schwierigsten in einer Karriere, die vor allem aufgrund körperlicher Probleme an Schwierigkeiten reich war. Nach einem neuerlichen Bandscheibenvorfall Ende 2019 versuchte der frühere Junioren-Weltmeister eine Saison zu retten, die so nicht mehr zu retten war. Platz elf zum Abschluss im Riesentorlauf von Hinter­stoder war das höchste der Gefühle – danach ging es von der Nationalmannschaft „bergab“ in den A-Kader. Dazu verabschiedete sich der Kopfsponsor von einem der beliebtesten Skifahrer Österreichs mit vielen Ecken und Kanten.

Aber wer hinfällt, hat de facto zwei Möglichkeiten: Er bleibt liegen oder er steht auf. Feller wählte die zweite Option. „Ich will mich jetzt wieder zu 100 Prozent auf den Skisport konzentrieren. Die Aufbauarbeit war bisher sehr durchdacht“, sagt der Olympia-Zweite im Teambewerb von 2018. Die volle Konzentration auf das Skifahren ist ein Grund mehr, wieso die medialen Auftritte weniger aufsehenerregend waren.

Kind verschiebt Prioritäten

„Ich werde älter, und mir wird das ehrlich gesagt auch zu blöd“, schmunzelt Feller angesichts der öffentlichen Auseinandersetzung mit seinen Kritikern und ergänzt: „Die Leute haben derzeit schon genug Schwierigkeiten. Ich möchte meine Fans unterhalten, aber das wird jetzt zunehmend anstrengender. Mit dem Kind daheim habe ich weniger Zeit dafür.“

Manuel Feller (zur Rolle als Vater des einjährigen Lio)

„Das ist der Sinn des Lebens. Ich hätte mir nie gedacht, dass es so cool ist.“

Dieses Kind, das ist der einjährige Lio, Sohn und „Sinn des Lebens“ von Manuel Feller. „Dafür sind wir auf der Welt. Ich hätte mir nie gedacht, dass es so cool ist, Vater zu sein“, sagt Feller, „Da muss ich meiner Freundin ein ganz großes Lob aussprechen, die das alles so gut macht, gerade in der jetzigen Zeit.“

Denn die Zeit ist für den Hobby-Musiker („Wenn sich was im Studio ergibt, bin ich dabei“) derzeit mit viel Training ausgefüllt. Das Parallelrennen in Lech/Zürs (27.11.) lässt Feller noch aus, nach dem verpassten Sölden-Rennen ist der Start nun für 5. Dezember im Riesentorlauf von Val d’Isére (FRA) anvisiert. Danach geht es ab Weihnachten Schlag auf Schlag. Es wird die große Bewährungsprobe für einen Körper, der schon viel mitmachen musste.


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