Corona-Maßnahmen: Durchhalteparolen und einiges an Kritik

LH Platter und Gesundheitslandesrat Tilg hoffen auf die Trendwende, die Opposition ortet Versäumnisse.

Günther Platter 
(Landeshauptmann; ÖVP): „ Durchs Leugnen verschwindet das Virus nicht – es fordert einen hohen Tribut.“
© ÖVP/Angerer

Innsbruck – „Wir können nicht zusehen, wie das Gesundheitssystem vor unseren Augen zusammenbricht.“ Mit diesen eindringlichen Worten warb LH Günther Platter gestern im Landtag nicht nur für mehr Akzeptanz des zweiten harten Lockdowns, sondern mahnte gleichzeitig zum Einhalten aller verschärften Maßnahmen. Die Zahlen und deren Auswirkungen (siehe S. 3) seien massiver, als alle Experten vorhergesagt hätten, so Platter in seinem Lagebericht. Bedenke man, dass die Belastungs- und Belegungsspitzen in den Spitälern und Intensivstationen wohl erst in den kommenden Tagen bevorstünden, stehe es „Spitz auf Knopf“. Umso mehr rief der VP-Tirol-Chef die Bevölkerung auf, dem Ernst der Lage entsprechend zu agieren: „Zusammenhalten und Abstand halten.“

Der in den vergangenen Monaten durch „Ischgl-Gate“ schwer unter Beschuss geratene Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) sprach gar von „kritischen Wochen“, die da Tirol und Österreich bevorstünden. Hierzulande müsse und werde man die Teststrategie verbessern. Etwa durch den Ausbau der Screening-Straßen sowie massive Antigentests. Tilg verwies hierzu, wie bereits berichtet, auf 600.000 Antigentests für Tirol, die in den kommenden vier Monaten zur Anwendung kommen sollen.

„Testen, tracen, isolieren“

Einen klareren Fokus verlangt der grüne Koalitionspartner. „Testen, tracen, isolieren“, fordert Grünen-Klubchef Gebi Mair: „Wir haben die Kontrolle über die Nachverfolgung verloren – das muss wieder funktionieren.“ Umso mehr gelte es, sich jetzt schon auf das – zumindest von Seiten der Bundesregierung anvisierte – Lockdown-Ende mit 7. Dezember vorzubereiten.

Mit den ausgerufenen Durchhalteparolen konnte Schwarz-Grün jedoch bei der versammelten Opposition erwartungsgemäß schwerlich punkten. Das Spitalswesen hierzulande komme nicht zum ersten Mal an seine Grenzen, die bisherige Sparpolitik „rächt sich“, sagte Pat­rick Haslwanter (FPÖ): „Wir wären nicht im zweiten Lockdown, hätte die Regierung nicht an den falschen Stellschrauben gedreht.“

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"Wir sind nicht der Pest des Mittelalters ausgeliefert“

Allen voran habe die Bundesregierung mit ihren Handlungen in der Bevölkerung für „maximale Verunsicherung“ gesorgt, attestierte SP-Mandatar Benedikt Lentsch. Nach wie vor lasse es aber auch das Land an einer einheitlichen Strategie missen – insbesondere im Bildungsbereich. Was Bildungslandesrätin Beat­e Palfrader per Zwischenruf von sich wies.

Während Markus Moser (NEOS) zum Einhalten der Hygieneregeln aufrief („Wir sind nicht der Pest des Mittelalters ausgeliefert“), wollte Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider nicht alle verschärften Maßnahmen per se verteufeln. Gerade mit Blick auf Heime und Spitäler würden Tirol nun aber „die Fehler der Vergangenheit einholen“. Der Adressat dieser Botschaft war klar: Tilg. (mami)


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