Bildungs-Lockdown: Auf dass der Nikolaus Schulen öffnen möge

Flammender Appell der Lehrer nach Bildungsgipfel, Kinder zuhause zu lassen. Zweifel an Wiederaufsperrtermin wächst.

An einzelnen Schulstandorten suchen bis zu 80 Prozent der Schüler die Betreuung auf. (Symbolfoto)
© APA

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – An Tag zwei des Bildungs-Lockdowns gingen die Betreuungszahlen an den Tiroler Pflichtschulen leicht nach oben. Im Schnitt lag die Quote über alle Schulen hinweg gestern bei 17,5 Prozent. Am Dienstag waren es 15 Prozent. Spitzenreiter bleiben die Volksschulen mit knapp 27 Prozent (Montag: 23 Prozent).

Die Durchschnittszahlen überdecken freilich die teils dramatische Entwicklung an einzelnen Schulstandorten. So berichten diverse Schulen von 70 bis 80 Prozent der Kinder, die trotzdem an die Bildungsstätten kommen. Allen voran im Volksschulbereich und örtlich gesehen insbesondere im stark Corona-belasteten Bezirk Schwaz.

Auch diese Zahlen wurden gestern Nachmittag am Bildungsgipfel im Landhaus besprochen. Hierzu hatten Bildungslandesrätin Beate Palfrader (VP) und die Bildungsdirektion Lehrer- wie Elternvertreter geladen. Teils steht hinsichtlich der Zahlen die Vermutung im Raum, dass sich Eltern schul- bzw. klassenbezogen abgesprochen haben sollen, ihre Kinder gezielt in die Betreuung zu schicken, um so politischen Druck aufzubauen. Auch dem Präsidenten des Landeselternverbandes, Christoph Drexler, ist das zu Ohren gekommen. Bestätigen kann er es nicht. Befürworten ebenso wenig. Er bleibt aber dabei: Die Schulen müssten wieder aufsperren.

Lehrer wie Eltern eint der schwindende Glaube

Palfrader bestätigt derartige Brennpunkte, welche Schulen personell und räumlich vor schier unlösbare Probleme stellen würden: „Die Intention des Lockdowns geht damit schon verloren.“ Rufe, wieder Kriterien für den Betreuungsbedarf einzuführen, würden laut. Palfrader will das nicht. Jeder, der Bedarf habe, müsse das Angebot auch nutzen können. „Was es aber braucht, ist ein Mittelweg“, appelliert Palfrader an die Eltern.

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Drastischer tun dies die Lehrer. Eltern sollten ihre Kinder nur „im extremsten Ausnahmefall in die Schule schicken“, sagt Matthias Hofer, AHS-Personalvertreter. Nicht weil man die Kinder nicht betreuen wolle, sondern weil man damit helfen wolle, das am Limit arbeitende medizinische Personal zu entlasten.

Lehrer wie Eltern eint aber der schwindende Glaube, dass der Nikolaus am 6. Dezember auch die von Wien versprochene Schulöffnung mit 7. Dezember im Gabensack haben wird. Palfrader jedenfalls will die Hoffnung darauf nicht fahren lassen, wenngleich sie festhalten muss: „Alles hängt mit der Entwicklung der Infektions- und Spitalszahlen zusammen.“


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