Tag der Kinderrechte: „Die jungen Leute vermissen ihr gewohntes Leben“

Zum Tag der Kinderrechte fordern viele Organisationen einen besseren Schutz der Kleinsten – auch und gerade in der Corona-Krise.

Über 300.000 Kinder und Jugendliche sind in Österreich laut Volkshilfe aktuell armutsgefährdet.
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Innsbruck, Wien – Auch im Jahr 2020 sind viele Kinder und Jugendliche in Österreich noch benachteiligt. Darauf, dass die aktuelle Corona-Krise und ihre Folgen die Probleme dramatisch verschlimmern, weisen anlässlich des heutigen internationalen Tages der Kinder­rechte zahlreiche Organisationen hin. Es werden Verbesserungen gefordert, vor allem im Schulbereich.

„Kinder haben ein Recht auf Bildung, nicht nur auf Betreuung, wenn es zu Hause nicht mehr geht“, sagt etwa Wolfgang Katsch, Geschäftsleiter von SOS-Kinderdorf. Den Schulschließungen während des Lockdowns steht die Organisation kritisch gegenüber. „Bildung kann nicht einfach an die Eltern delegiert werden, vorher sollten alle Möglichkeiten der Schule ausgeschöpft werden“, meint Katsch. „Vom Unterricht in Kleingruppen über gestaffelte Beginnzeiten bis hin zum Ausweichen auf andere verfügbare Örtlichkeiten.“

Sicherheit und Perspektiven sind gefragt

Es gehe allerdings nicht nur darum, Kinder und Jugendliche durch die Schule, sondern „ohne gröberen Schaden durch die Covid-Krise zu bringen“, sagt SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser. Es brauche Sicherheit und Perspektiven. Und um dies zu gewährleisten – ähnlich wie in der Wirtschaft und anderen Sektoren –, finanzielle Unterstützungspakete, fordert er. Birgit Satke, Leiterin der Notrufnummer Rat auf Draht, weist darauf hin, dass „der neuerliche Lockdown viele Entbehrungen bedeutet. Die jungen Leute vermissen ihr gewohntes Leben.“ Kinder und Jugendliche wollen sich laut Satke an die Regeln halten, haben aber viele Fragen dazu: Wen darf ich treffen? Kann ich die Großeltern besuchen? – Die Angst müsse ihnen mit verständlichen und sachlichen Erklärungen genommen werden.

Dass in Österreich „das Recht auf die vorrangige Beachtung des Wohles des Kindes in den politischen Entscheidungen derzeit eine untergeordnete Rolle spielt“, kritisieren die Tiroler Kinderfreunde. In Zeiten von Corona habe sich „die Situation massiv verschärft“. Es gelte, weiterhin aufmerksam zu sein.

Mehr als 300.000 Kinder und Jugendliche armutsgefährdet

Die Volkshilfe wies bereits gestern darauf hin, dass derzeit in Österreich über 300.000 Kinde­r und Jugendliche armutsgefährdet sind. „Dieses Jahr brauchen wir besonders viele Spenden. Durch Corona sehen wir deutlich mehr Familien, die um Unterstützung ansuchen“, berichtet Volkshilfe-Präsident Ewald Sacher zu einer aktuellen Spenden-Kampagne der Organisation. Infos dazu gibt es im Internet unter www.kinder­armut-abschaffen.at

„Schon vor der Corona-Krise war jedes fünfte Kind von Armut betroffen oder bedroht, diese Zahl droht nun weiter zu steigen“, sagt Caroline Pavitsits, Vorsitzende der Bundesjugendvertretung. Sie fordert daher eine universelle und bundesweit einheitliche Kinder­grundsicherung.

Der Gewerkschaftsbund (ÖGB) kritisiert Art und Weise der Schulschließungen. „Eltern aufzurufen, ihre Kinder zu Haus­e zu lassen, und gleichzeitig Schulen für Betreuung geöffnet zu lassen, hat genau einen Effekt: Es sorgt für zusätzliche Unsicherheit bei Eltern, bei Lehrern und vor allem bei Kindern“, meint ÖGB-Vize­präsidentin Korinna Schumann. (bfk, APA)


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