Neues Buch: Wie Herr Knapp lernte, das Blunzengröstl zu lieben

Radek Knapps neues Buch als amüsante (vor allem Wiener) Landeskunde.

Radek Knapp weiß so manches Anekdötchen zu erzählen. Hier im Jänner 2018 beim Interview mit der TT in Innsbruck.
© Thomas Boehm / TT

Von Markus Schramek

Innsbruck, Wien – Das einzig Holprige an diesem Buch ist der Titel mit gleich zwei sperrigen Komposita. Wem verlagsseitig solches wohl ein- bzw. nicht aufgefallen ist? Jedenfalls wird „Von Zeitlupensymphonien und Marzipantragödien“ der locker-flockigen Schreibweise Radek Knapps nicht im Entferntesten gerecht. Der kleingedruckte Zusatz, wonach es sich hier um die „Notizen eines Möchtegern-Österreichers“ handelt, trifft den Kern der vergnüglichen Sache zwischen den beiden Buchdeckeln schon deutlich besser.

Der aus Warschau stammende Knapp musste 1976, 12-jährig und gegen seinen Willen, nach Wien übersiedeln, wohin sich seine Mutter nach der Scheidung verfügt hatte. Trotzdem blieb er. Schlug sich durch, verkaufte Würstl mit Senf, scharf oder süß, goss Promis die Sauna auf, werkte als Heizungs- ableser in Nobelvillen.

Dann kam das Schreiben. Man kennt den Autor Knapp als vifen Beobachter, er ist kein Dreindrescher, sondern ein Fertiger skurriler Anekdoten und treffsicherer Pointen. Fad wird es mit ihm nicht, allzu anstrengend gestaltet sich die Lektüre ebenso wenig.

In dieser Tonalität ist auch Knapps Neuling angelegt, eine stark biografisch durchzogene Sammlung von Österreich-Aperçus. Nach bald fünf Jahrzehnten in Wien fühlt sich Knapp immer noch als Gast, gar als Fremdling, und das hat einen Vorteil: Er sieht Dinge, für die Einheimische schon längst blind sind.

Wir begegnen Beamten, deren Laune über die Erledigung dringender Anliegen entscheidet. Oder Tierliebhabern, die mit dem Hunderl Zwiesprache halten oder nächtens das Katzerl lautstark im ganzen Gemeindebau suchen. Da ist das morbide Wien mit seinen prachtvollen Habsburger-Särgen in der Kapuziner- gruft. Da ist der unverhohlene Hang zu Weib, Wein und Gesang. Beim Kulinarischen fiel auch dem gebürtigen Polen Knapp die Umstellung leicht: Für ein Blunzengröstl lässt er vieles stehen.

Knapp schreibt mit Witz und Charme, er weiß um die Details und Eigenheiten. Bei aller gefühlten Distanz zum Gastland, dessen Staatsbürger er inzwischen geworden ist, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er längst angekommen ist in Österreich. Daher, um Lichtjahre zu spät, aber dennoch: Herzlich willkommen!

Biografische Anekdoten Radek Knapp: Von Zeitlupensymphonien und Marzipantragödien. Amalthea 2020, 160 Seiten, 20,60 Euro.


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