ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel: „Ich bin kein Alpen-Napoleon“

Vor 30 Jahren wurde Peter Schröcksnadel zum Präsidenten des Österreichischen Skiverbands gewählt und mutierte zu einem der Mächtigsten im heimischen Sport. Der 79-jährige Tiroler behielt seinen Kampfgeist.

Schauplatz Lech, 1994: Peter Schröcksnadel, mittlerweile 30 Jahre im Amt, findet sich auch kommendes Wochenende wieder am Arlberg ein.
© gepa

1990, also vor 30 Jahren, standen Sie als Präsident des Österreichischen Skiverband­s vor Ihrem ersten Winter. Den ÖSV holten Sie binnen weniger Jahre aus finanziellen Turbulenzen.

Schröcksnadel: Der war wirtschaftlich total am Boden! Wir haben Rechnungen für Trainingsquartiere erst ein Jahr später bezahlt und konnten dann nicht einmal mehr das gleiche Quartier beziehen.

Wie führten Sie den Verband aus der Krise?

Schröcksnadel: Wir ergriffen die Initiative, reduzierten etwa den Austria Ski-Pool auf die Materialbeschaffung, der ÖSV sollte wieder die Rennsportorganisation übernehmen. Das war ein Riesenkampf.

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Inwiefern wirkte sich das aus?

Schröcksnadel: Der Verband hatte nichts zu reden, im Ski-Pool waren keine ausländischen Marken. Gemeinsam mit Christian Poley und Arnold Koller wurde beschlossen: Das müssen wir ändern. Es war eine furchtbare Zeit: Wenn ein Trainer den Falschen aufstellte, war der Trainer schnell weg – es ging nur um Interessen der Ski-Industrie.

Und wie kam der Verband in der Folge zu Geld?

Schröcksnadel: Wir vermarkteten die Rechte selbst. Damit hatten wir die Möglichkeit, eigenes Geld zu erwirtschaften. Wir übernahmen unsere österreichischen Veranstaltungen selbst, wurden dafür sogar verklagt – und gewannen. Klaus Leistner (zuletzt Generalsekretär, Anm.) war der entscheidende Faktor, er hatte diese Rechtsmeinung. Und ich sagte: Gut, dann streiten wir das durch.

Wann ging es dem Verband wieder besser?

Schröcksnadel: Mitte der 90er waren wir aus dem Gröbsten heraus, auch Weltmeisterschaften konnten wir selbst vermarkten. Die Ramsa­u (Nordische WM 1999, Anm.) ging in die Hose, aber wir lernten daraus. Und mit St. Anton (Alpin-WM 2001, Anm.) ging es aufwärts.

Was sagen Sie dazu, wenn angesichts des Weltcups in Lech/Zürs am Wochenende von einem „Förderskandal“ die Rede ist?

Schröcksnadel: Das kostet mich ein mildes Lächeln, schließlich bezahlt auch das Fußball-Nationalteam nicht sein Stadion. Wir nehmen als Skiverband teil, die Voraussetzung müssen Region und Land schaffen. Die müssen abwägen, ob sie Werbung wollen. Da etwas hineinzudividieren, das verstehe ich nicht. Der ÖSV entscheidet nur, ob das Rennen dorthin geht oder nicht.

Eine Flutlicht-Anlage hätte man auch in St. Anton auf der anderen Seite des Arlbergs.

Schröcksnadel: Ja, aber das Gelände dort eignet sich nicht für die Parallelrennen.

Das Thema Covid-19 lässt auch den Skisport nicht los, eben mussten Österreichs Adler passen.

Schröcksnadel: Wir bleiben auf unserem Sicherheits-Konzept drauf, das ist ohnehin sehr defensiv angelegt. Wir gehen kein Risiko ein, daher wurde diese Maßnahme (Rückzug des A-Teams, Anm.) gesetzt. Gesundheit steht über allem.

Probleme wie dieses reißen scheinbar nie ab – wurde es Ihnen nie zu viel, die Feuerwehr zu spielen?

Schröcksnadel: Es gab öfter den Moment, an dem ich nicht mehr wollte. Etwa 1995, als wir im Skisport so viele schwere Unfälle hatten. Damals rückte die Sicherheit in den Vordergrund.

Warum machten Sie weiter?

Schröcksnadel: Weil ich mir immer dachte: Jetzt muss ich kämpfen, da kann man den Skiverband doch nicht stehen lassen: so wie 2006 (Olympia in Turin, Anm.) nach den Doping-Vorwürfen. So kamen letztlich die 30 Jahre zusammen.

Eine Position voller Verantwortung, aber eine ohne finanziellen Ausgleich.

Schröcksnadel: Ich bekomme keinen Euro, denn ich bin ehrenamtlich tätig. Das heißt: kein Spesenersatz, kein Auto, nicht ein Euro – ich zahle alles selbst!

Wie reagieren Sie auf Attribute wie „Alpen-Napoleon“?

Schröcksnadel: Ich bin kein Napoleon. Den haben sie nach Elba verbannt, so etwas macht mich nicht stolz.

Und „Ski-Kaiser“?

Schröcksnadel: Das ist alles nicht gut. Ein Kaiser steht oben, ich bin Teil der Mannschaft.

Das Gespräch führte Florian Madl


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